Konzernteile von Shell sollen vereinigt werden
Mehr Macht dem Mannschaftsspieler

Nach zweiwöchiger Roadshow und stundenlangen Diskussionen mit Hunderten Bankern, Fondsmanagern und Analysten ist Peter Voser fast am Ziel.

HB LONDON. Heute entscheiden außerordentliche Hauptversammlungen des niederländischen Teils Royal Dutch und der britischen Shell Transport & Trading über die Vereinigung zu einem schlagkräftigen Weltkonzern mit nur noch einem Vorstand.

Peter Voser wirkt beim Gespräch in einem Frankfurter Hotel zwar müde, aber gelassen. Den positiven Analystenberichten und der Ruhe in den Medien nach zu urteilen steht dem Zusammenschluss nichts mehr im Wege. Bis auf kleine steuerliche Details war keine Kritik an der Transaktion zu hören, bei der rund eine Million Aktionäre ihre Papiere gegen Aktien der neuen Royal Dutch Shell Plc tauschen sollen, einem Unternehmen britischer Rechtsform mit Sitz in Holland.

Für Peter Voser, den kräftigen, groß gewachsenen Schweizer, wird die Vereinigung des Konzerns zu seinem Meisterstück. Hier geht es längst nicht nur um Zahlen und Fakten, um Effizienz und Vernunft – Voser, der zwei Jahrzehnte Shell-Erfahrung auf dem Buckel hat, weiß sehr genau, dass der Ölriese einen Kulturwandel braucht.

Als er im Oktober 2004 nach zweieinhalbjährigem Feuerwehreinsatz bei ABB zu Shell zurückkam, fand er einen tief verunsicherten Konzern vor. Der Skandal um eine jahrelang zu optimistische Bewertung der Öl- und Gasreserven hatte die alte Führungsspitze hinweggespült und das Vertrauen der Investoren erschüttert. Die neue Führung will nun das Gemeinschaftsgefühl stärken und Verantwortlichkeiten klarer definieren.

Der Finanzchef ist im neuen System mächtiger als zuvor. „Ich habe rund 8700 Finanzleute in meinem Bereich, alle mit direkter Linie zu mir“, sagt Voser. „Die sind natürlich in ihre Geschäftsbereiche integriert, aber sie sind unabhängig von operativen Zwängen, weil sie an mich berichten.“ In der neuen Shell wird die Zentrale besseren Durchgriff auf alle Einheiten haben; Entscheidungen sollen schneller fallen. Aber Voser macht sich keine falschen Hoffnungen: „Eine Kultur verändert man nicht in zwölf Monaten, das wird drei, vier Jahre dauern.“

Er weiß, wovon er spricht, wenn er das traditionelle Eigenleben der Landesgesellschaften gegenüber der Zentrale beschreibt. Sein eigener Lebenslauf führte in kreuz und quer durch das Shell-Reich.

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