Konzertierte Aktion
RWE-Vorstand kauft eigene Aktien

Die gesamte Führungsriege von RWE hat am Dienstag Aktien des eigenen Unternehmens zugekauft. Vordergründig sieht es so aus, als sei das RWE-Führungsteam von einer nachhaltig positiven Entwicklung des zweitgrößten deutschen Stromproduzenten überzeugt. Doch in erster Linie wahren Roels & Co. damit vor allem die Chance, ihre Bezüge aufzubessern. Das zu Grunde liegende Modell der aktienbasierten Vorstandsvergütung stößt auf Kritik.

DÜSSELDORF. Wie der Essener Energieriese am Dienstag mitteilte, legten sich die sieben Mitglieder des Konzernvorstands am 30. März insgesamt 7619 RWE-Aktien zum Kurs von 77,11 Euro ins Depot. Der Gesamtwert der Käufe beträgt 587 501 Euro. Mit ihrer konzertierten Aktion bewiesen die Herren gutes Timing: Am Dienstag notierte die RWE-Aktie um 81 Euro – fünf Prozent über dem Kurs vom vergangenen Freitag.

Das größte Paket erwarb der scheidende Konzernchef Harry Roels, der Ende Januar 2008 seinen Stuhl für den aus dem Ruhrgebiet stammenden Stahlunternehmer Jürgen Großmann räumen wird. Roels erwarb 1 919 Aktien.

Mit dem Kauf wahrt Roels die Chance, seine üppigen Bezüge aufzubessern. Und das geht so: In dem speziell für sie geschaffenen Vergütungsprogramm kaufen die Vorstandsmitglieder von RWE zunächst Aktien des Unternehmens auf eigene Rechnung. Nach drei Jahren erhalten sie dann – sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind – als Belohnung eine Summe in bar. Roels strich aus diesen „aktienbasierten Vergütungen mit Langzeitwirkung“ allein 2006 drei Millionen Euro ein. Seine Gesamtbezüge beliefen sich auf 8,2 Millionen Euro. Von Deutschlands Spitzenmanagern verdiente nur Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im zurückliegenden Jahr mehr.

Dass RWE und andere Dax-Konzerne die aktienbasierten Vorstandsvergütungen zumeist in bar auszahlen, stößt auf Kritik. Der auf Topmanager-Vergütungen spezialisierte Unternehmensberater Heinz Evers fordert stattdessen: Um höhere Leistungsanreize zu schaffen und die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen zu erhöhen, sollten die Topmanager mehr eigene Aktien erwerben und verstärkt mit Aktien bezahlt werden. In den USA seien solche Vergütungssysteme weit verbreitet.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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