Korruption
Kadi und der Sparkassen-König von Köln

Der Vorwurf wiegt schwer. Gustav Adolf Schröder, ehemaliger Chef der Stadtsparkasse Köln, soll dem Kölner CDU-Bürgermeister Josef Müller über Umwege einen lukrativen Beratervertrag vemittelt haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdacht - nicht zum ersten Mal.

FRANKFURT. Er kommt einfach nicht zur Ruhe: Wieder ist Gustav Adolf Schröder im Visier der Justiz, wieder geht es um den Vorwurf unsauberer Geschäfte des Ex-Chefs der Stadtsparkasse Köln. Und wieder sehen seine Anwälte Norbert Gatzweiler und Gaby Münchhalffen „eine Hexenjagd“ über ihren Mandanten hereinbrechen, pünktlich zum Wahlkampf. Denn um Politik geht es in der neuesten Folge des Klüngel-Dauerbrenners „Der Kadi und der ungekrönte König von Köln“, wie Schröder in der Stadt genannt wird.

Mindestens 300 000 Euro soll er damals als Sparkassenchef dem Kölner CDU-Bürgermeister Josef Müller zwischen 2001 und 2003 zugeschoben haben – auf Umwegen über die Stadtsparkasse Düsseldorf. Mit deren Chef Hans Schwarz war Schröder gut befreundet. Frei nach dem Motto: „Man kennt sich , man hilft sich“ . So zumindest beschreiben ehemalige Weggefährten die Kontaktpflege–Politik des Patriarchen. „Schröder und Schwarz kannten sich lange und gut “, sagen Insider. Und so soll Schröder seinen Duzfreund Hans gebeten haben, mit Bürgermeister Müller einen Beratervertrag zu schließen. Der brauchte das Geld, nachdem er seinen Job als Fraktionsgeschäftsführer verloren hatte. Der Bürgermeisterjob ist ein Ehrenamt.

Das Honorar, das die Sparkassen-Tochter S-Kapitalbeteiligungsgesellschaft Düsseldorf dem Lokalpolitiker zahlte, beglich dann aber die Stadtsparkasse Köln per Online-Überweisung. „Das floss auf Heller und Pfennig inklusive Mehrwertsteuer“, heißt es aus Insiderkreisen. Schröders Anwälte weisen die Vorwürfe zurück, er selber will sich nicht äußern.

Inzwischen prüft der Staatsanwalt die Unterlagen. Für Schröder fast ein Déjà-vu: Drei Verfahren hat es allein 2007 gegen ihn gegeben. Mal waren es Untreue-Vorwürfe, dann gab es Berichte über Verwicklungen der Sparkasse in riskante Geschäfte mit der Fondsgesellschaft Oppenheim-Esch und schließlich anonyme Anzeigen. Doch Straftaten ließen sich dem „Teflon-Mann“ nicht nachweisen. Lediglich im Fall seines Villen-Grundstücks in Köln-Junkersdorf, das er zu billig von einer Sparkassentochter gekauft haben soll, musste er 30 000 Euro Geldauflage zahlen.

Neider, die ihm Einfluss und Macht missgönnen, vermuten jene, die Schröder wohl gesonnen sind, hinter dem juristischen Dauerbeschuss. Oder politisches Kalkül, schließlich sind im Sommer Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. Da macht sich ein CDU-Bürgermeister mit dubiosem Beratervertrag schlecht, aber eben auch nicht schlechter als ein SPD-naher Ex-Sparkassenchef, der den Deal eingefädelt haben soll. Doch vielleicht ist die Wahrheit viel einfacher: Die Sparkasse Köln-Bonn muss ihre Altlasten aufarbeiten, Strukturpolitik für die Stadt kann sich das Institut nicht mehr leisten, sagen Vertreter des Sektors. „Der neue Vorstand muss Gewinn machen“, heißt es. Und das bedeutet: „Engagements von Ex-Chef Schröder kommen jetzt auf den Prüfstand."

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