Korruption
Vertrauen ist gut – Kontrolle besser

Die Bestechungsaffären bei Ikea, Siemens, oder VW zeigen: Korruption ist keine Seltenheit. Trotzdem sind Kontrollmechanismen in Unternehmen eher selten. Eine Handelsblatt-Studie zeigt: Nur jedes dritte Unternehmen besitzt ein Frühwarnsystem gegen Korruption – denn viele Chefs wollen ihre Mitarbeiter gar nicht kontrollieren.

Der Fall hat alle Zutaten für einen Schwedenkrimi von Henning Mankell: Sechs deutsche Bauleiter des Möbelriesen Ikea stehen unter Verdacht, sich über Jahre von einem Dutzend Baufirmen haben schmieren zu lassen. Über 2,7 Millionen Euro sollen in ihre Taschen geflossen sein, finanziert aus fingierten Rechnungen an Ikea. Ein Sportwagen hier, eine Renovierung da stärkten neben gemeinsamen Ostseetörns die Bande zwischen den Geschäftskumpanen, heißt es. Als Gegenleistung bekamen die Geldgeber lukrative Bauaufträge zugeschanzt. Die Kollegin und Ex-Geliebte eines Ikea-Managers packte schließlich beim Staatsanwalt aus. In der U-Haft erhängte sich dieser Hauptverdächtige.

In diesem Reality-Thriller gab es vergangenen Freitag erste Verurteilungen. Ein Baukonzern aus Mittelfranken und vier Mitarbeiter müssen hohe Geldstrafen zahlen. Der Seniorchef bekommt ein Jahr Haft auf Bewährung. Das geschädigte Möbelhaus erhält 2,5 Millionen Euro. Die Ermittlungen gegen weitere Schmiergeldgeber und verdächtigte Ex-Ikea-Mitarbeiter laufen noch.

Das Entsetzen war groß in der sonst so heilen Ikea-Welt, als das Korruptionsnetz vor zwei Jahren aufflog. Sabine Nold, Krisenkommunikatorin des Möbelhauses, erinnert sich: „Das war ein riesiger Schock für alle – mit solchen kriminellen Machenschaften hatten wir nie und nimmer gerechnet. Klar: Unsere Mitarbeiter haben viel Eigenverantwortung und Handlungsspielraum. Aber zugleich sind Bescheidenheit und Vertrauen Werte, die Ikea sehr hoch hält. Wir dachten, dies sei ein guter Schutz – neben dem Vier-Augen-Prinzip.“

Der Ikea-Skandal ist kein Einzelfall, wie die Bestechungsaffären bei Siemens, VW oder Heros zeigen. Trotzdem sind sie nur die Spitze des Eisbergs. „95 Prozent der Korruptionstaten in Betrieben bleiben unentdeckt“, weiß Christian Schaaf, Sicherheitsexperte der Result Group. Er hilft Firmen, diese Kriminalität aufzudecken und zu verhindern.

Erschreckend: Nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland hat feste Kontrollmechanismen oder Gremien für die Früherkennung möglicher Korruption installiert. Je größer die Firma, umso öfter ist dies geregelt. Aber selbst bei Unternehmen mit über 2 000 Mitarbeitern hat noch nicht mal jedes zweite ein Frühwarnsystem. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts und der Zeitarbeitsfirma Randstad bei über 300 Personalchefs aus einem Querschnitt von Firmen. „Die jüngsten Korruptionsaffären zeigen, wie negativ sich falsch verstandenes Vertrauen auswirken kann“, urteilt Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland.

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