Korruptionsaffäre
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-MAN-Chef Samuelsson

Die Münchner Staatsanwaltschaft nimmt nun auch Ermittlungen gegen den früheren MAN-Chef auf. Ein Zeuge im laufenden Schmiergeldprozess hatte schwere Vorwürfe gegen Samuelsson und den Ex-Finanzvorstand Hornung erhoben.

MünchenDie Schmiergeld-Affäre beim Münchner MAN -Konzern zieht immer weitere Kreise. Gegen den früheren MAN-Chef Hakan Samuelsson wird wegen Verdachts der Bestechung ermittelt. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, hat sie gegen den ehemaligen Konzernchef und seinen damaligen Finanzvorstand Karlheinz Hornung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Im laufenden Schmiergeldprozess gegen den einstigen Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte Anton Weinmann hatte der Leiter der MAN-Revisionsabteilung als Zeuge vor dem Landgericht München ausgesagt, Samuelsson und Hornung seien über mögliche Korruptionspraktiken in Slowenien informiert gewesen. Samuelsson, Hornung und Weinmann waren 2009 abgelöst worden.

2009 war aufgeflogen, dass der Dax-Konzern jahrelang den Verkauf von Lastwagen, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt hatte. Laut Anklage wusste der einstige Nutzfahrzeugchef von dem Schmiergeldsystem und duldete es, statt es zu unterbinden.

Laut Anklage hatten MAN-Revisoren damals entdeckt, dass Millionenbeträge jahrelang zunächst in bar, dann getarnt mit Scheinverträgen und über eine Liechtensteiner Firma an Kunden in Slowenien geflossen waren. Samuelsson war bis Ende 2004 Chef der Nutzfahrzeugsparte und ab 2005 MAN-Konzernchef. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn und Hornung jetzt der Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Von Samuelssons Anwälten war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Weinmann bestreitet die Vorwürfe. Einen Deal mit dem Gericht, wie dies mehrere ehemalige MAN-Manager vor ihm ausgehandelt hatten, lehnte er bislang ab, weil er für sich reklamiert, unschuldig zu sein. Jetzt signalisierte sein Verteidiger Gesprächsbereitschaft. Eine Besprechung aller Parteien soll vor dem nächsten Termin am 29. August stattfinden.

Samuelsson musste den Konzern nach Aufdeckung zahlreicher Korruptionsfälle 2009 verlassen. Bei Siemens und Volvo Cars sitzt der 62-jährige Schwede noch im Aufsichtsrat. MAN fordert von Samuelsson weiterhin 237 Millionen Euro Schadenersatz wegen des Korruptionsskandals. „Wir verhandeln, bisher ohne Erfolg“, sagte ein Konzernsprecher.

Samuelssons Ablösung hatte für den Großaktionär VW und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech den Weg freigemacht, die angestrebte Lastwagen-Allianz von MAN und Scania voranzutreiben. Der ehemalige Scania-Vorstand Samuelsson hatte als MAN-Chef 2006 erfolglos versucht, Scania feindlich zu übernehmen und die Eigenständigkeit von MAN zu sichern. Der DAX-Konzern hatte wegen der Schmiergeldaffäre ein Bußgeld von 150 Millionen Euro an die Justiz gezahlt und damit 2010 einen Schlussstrich ziehen können.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
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