Korruptionsbekämpfer im Zwielicht
Intransparency International

Die Nichtregierungsorganisation Transparency International aus Berlin kämpft weltweit gegen Korruption. Doch die eigene Buchführung ist alles andere als transparent. Wurden Staatsmillionen zu Unrecht kassiert?

Essen, FrankfurtDie Korruptionshüter von Transparency International (TI) sind stolz auf ihren guten Namen. Wenn sie eine Firma oder ein Land wegen Korruption brandmarken, dann produzieren sie Schlagzeilen. Volkswagen zog mit seinen manipulierten Abgaswerten die Kritik von TI auf sich, und als bei Siemens schwarze Kassen auftauchten, strich Transparency den Elektronikkonzern kurzerhand von der Liste seiner Unterstützer.

Es sind strenge Regeln, die die Nichtregierungsorganisation aus Berlin, 1993 vom einstigen Weltbank-Direktor Peter Eigen gegründet, in der Welt der Firmen anlegt. Für Transparency selbst gelten diese aber nicht – zumindest nicht, wenn es um die Finanzierung der hauseigenen Antikorruptionskonferenz (IACC) geht.

Als vor drei Jahren die weltweit wichtigsten Korruptionsbekämpfer zum Gipfeltreffen in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia zusammenkamen, diskutierten sie darüber, wie Staaten und Konzerne sich gegen unmoralische Angebote wappnen könnten. Gängiger Rat: Alle Entscheidungen müssen transparent und Geldflüsse nachvollziehbar sein. Dass die 1900 Teilnehmer aus 140 Ländern an einer Veranstaltung teilnahmen, deren Finanzierungswesen einem Dickicht gleicht, dürfte ihnen nicht klar gewesen sein.

Die Steuerzahler von Brasilien und Deutschland förderten das Meeting mit knapp drei Millionen Euro, weiteres Geld steuerten die Industrie und letztlich die Teilnehmer mit ihren Eintrittsgeldern bei. Wie das Geld verwendet wurde, darüber gibt es keine nachvollziehbare Aufschlüsselung. Selbst die Korruptionshüter müssen einräumen, dass es keine Gesamtabrechnung gibt.

Die Verantwortung dafür trägt Transparency. Denn statt einen Veranstalter für das Treffen zu bestimmen, gab es mit der brasilianischen Unterorganisation Amarribo und Transparency International gleich zwei Geldempfänger. Die schoben die Mittel zwischen sich hin und her, wie Recherchen des Recherchezentrums Correctiv und des Handelsblatts ergeben.

Über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat Deutschland die Konferenz mit 300.000 Euro gefördert; das geht aus dem Vertrag zwischen Transparency und GIZ hervor. Brasilien trug mit 2,5 Millionen Euro die Hauptlast. Transparency erklärt zwar, keinen Gewinn mit der steuerfinanzierten Veranstaltung in Brasilia gemacht zu haben. Den Beweis bleibt die Organisation aber schuldig. Dafür wäre eine einheitliche Bilanz für das Event nötig – die gibt es nicht.

Von Eintrittsgeldern und Sponsoreneinnahmen ist in dem Vertrag nicht die Rede. Das ist wichtig. Denn fallen bei mit Steuergeldern subventionierten Events Gewinne an, muss der Veranstalter die Zuschüsse laut Fördergesetz zumindest teilweise zurückzahlen. Bei dem Gipfeltreffen in Lateinamerika fielen in der Tat zusätzliche Einnahmen an. Zum einen sind da die Teilnehmergebühren von etwa 291.000 Euro, von denen 219.000 Euro an Transparency International gingen. Die Einnahme wurde auch verbucht – allerdings verborgen im Jahresabschluss unter dem Punkt „sonstige Einnahmen“. Beobachter ohne Detailkenntnisse konnten den Geldfluss nicht entdecken.

Zum anderen sind da Sponsorengelder vom Ölkonzern Petrobras und von drei brasilianischen Banken in Höhe von umgerechnet 155.000 Euro. Der Betrag taucht aber nicht in einer Bilanz auf; er wurde laut Transparency direkt zur Verköstigung der Besucher und für die Veranstaltungstechnik verwendet. In den Verwendungsnachweisen an die GIZ führte Transparency diese Erlöse nicht auf. Die staatliche Behörde will trotzdem kein Geld zurückfordern. Denn das Geld von der GIZ war laut Vertrag nur zur Finanzierung einiger Workshops auf der Konferenz vorgesehen. Die weiteren Einnahmen der gesamten Veranstaltung seien da nicht zu berücksichtigen, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Experten sehen hierin allerdings eine mangelhafte Vertragsgestaltung zulasten des Steuerzahlers.

Transparency räumt ein, dass die Finanzierung der IACC nicht transparent dargestellt wurde. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass es bei der Konferenz Kosten vor Ort und in der Zentrale in Berlin gegeben habe, erklärt die Organisation. Diese seien jeweils in zwei verschiedenen Budgets abgerechnet worden. Den Vorwurf, Transparency habe die Gesamteinnahmen nicht an die GIZ gemeldet, damit diese die Finanzierung der geförderten Workshops nicht überprüfen könne, weist der Verein zurück.

Mit der IACC-Veranstaltung in Brasilien seien keine Überschüsse erzielt worden, erklärt Miklos Marschall, Vizegeschäftsführer von Transparency. Man habe mit den Eintrittsgeldern „indirekte Kosten” der Konferenz gedeckt, die nicht in den bekannten Abrechnungen aufgeführt worden seien.

Trotz einer Zusage schlüsselte der Verein diese unbekannten Kosten aber bis zum Redaktionsschluss nicht auf.

Der Bericht basiert auf einer gemeinsamen Recherche von Correctiv (Frederik Richter, David Schraven) und dem Handelsblatt (Martin Murphy). Das von Stiftungen und Privatpersonen finanzierte Recherchezentrum Correctiv mit Sitz in Essen und Berlin arbeitet gemeinnützig.

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