Kosmetikindustrie
Mit Näschen zum Erfolg

Unter der Führung von Bernd Beetz hat der Parfümhersteller Coty seine globale Note erhalten. Nun will der Konzernchef endgültig die Welt erobern. Der Deal seines Lebens ist Beetz Milliarden wert.
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New York, ParisEin Foto sagt manchmal mehr als tausend Worte. Auf dem Regal hinter Bernd Beetz’ Schreibtisch in der Pariser Zentrale des Parfümkonzerns Coty steht solch eine aussagekräftige Aufnahme. Sie zeigt Beetz als Freddie Mercury. Er trägt eine goldene Krone auf dem Kopf, einen schwarzen Schnurrbart im Gesicht, sein Oberkörper ist nackt, und seine Beine stecken in einer weißen, glänzenden Hose. Bernd Beetz als Freddie Mercury – diesen Auftritt gab es auf einer Weihnachtsfeier.

Nach einer Krone greift Beetz jetzt auch im Geschäftsleben. Als Vorstandschef von Coty bietet er zehn Milliarden Dollar in bar für den nach Umsatz fast dreimal so großen Konkurrenten Avon. Es wäre der Deal seines Lebens, eines selbstbewussten und bisher geschäftlich sehr erfolgreichen Lebens. Mit der Übernahme würde er seinen Traum verwirklichen, aus Coty einen Kosmetikkonzern mit Weltgeltung zu kreieren.

Seit elf Jahren ist der 60-Jährige Chef von Coty, dem größten Parfümkonzern der Welt, der der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehört. Diese setzte Beetz 2001 auf den Chefsessel von Coty, als die Firma nicht gut dastand.

Beetz bedankte sich für das Vertrauen auf seine Art: Er zog nicht nur einen erfolgreichen Turn-around durch, sondern schaffte es auch, den Umsatz zu vervierfachen – auf derzeit 4,5 Milliarden Dollar. Sein Erfolgsrezept: Einen richtigen Riecher für Parfüms und lukrative Akquisitionen. Sein einst erklärtes Ziel: Bis 2015 den Umsatz auf sieben Milliarden Dollar zu steigern.

Der Deutsche ist nur selten in seinem Büro, ob im hochherrschaftliches Haus aus dem 18. Jahrhundert in Paris oder in der Park Avenue in New York, dem offiziellen Konzernsitz. Ständig auf Achse, rast er von einem Kunden, von einem Deal zum nächsten. Unter den Akquisitionen waren viele kleine Kosmetikfirmen, 2010 mit Dr. Scheller und Philosophy auch schon bekannte Namen.

Beetz trägt oft das Gleiche: schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte. Er spricht schnell und knapp, zeigt distanzierte Freundlichkeit. Doch beim Fußball wird er zum Thekenfreund. Er besitzt eine Dauerkarte beim Fußballbundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, schaut sich oft die Spiele an.

Der Manager startete vor 20 Jahren beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble. Dort dient er als Geschäftsführer in der Schweiz, Italien und Deutschland. Die Wiederbelebung des Geschäfts in der Türkei ist sein Gesellenstück. Beetz steigt zum Chef des europäischen Schönheits- und Gesundheitsgeschäfts auf. Aus dem Wirtschaftsstudenten der Uni Mannheim wird ein Kosmopolit, der fließend fünf Sprachen spricht, darunter auch Türkisch. In seinem Lebenslauf heißt es dazu, dass er mit Spanisch eine sechste Sprache beherrsche – seine Kenntnisse aber nur für eine „Konversation“ reichen.

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