Kostspielige Leidenschaft
Ein Traum von einem Boot

Michael Kamm, Vorstandsvorsitzender der Luxusmarke Aigner, kennt den Reiz und den Preis der Exklusivität. Zu Lande und zu Wasser. Sein ganzer Stolz ist seine „Extravaganza“ – ein legendäres Motorboot des Typs „Aquarama“ der Nobelmarke Riva.

„Eine Aquarama?“ fragte der Freund, und Michael Kamm nickte. „Eine Riva?“ fasste der Freund nach, und die lange Betonung des letzten Vokals „a“ zeigte an, wie ungläubig er war. Michael Kamm nickte wieder. „Ein Original?“ vergewisserte sich der Freund noch einmal, um nicht ohne Grund an seinem Freund zu zweifeln. Und Michael Kamm nickte wieder und wieder und wieder – und auf sein Gesicht stahl sich sicher ein stilles Lächeln wie jetzt, als er die Anekdote nacherzählt. „Eine Aquarama von Riva – die kriegst du nie! Das ist ein aussichtsloses Unterfangen! Es überhaupt zu versuchen ist verrückt!“ Der Freund fällt seine Aussage wie ein Bootsbauer sein Beil.

Michael Kamm verschlägt die Aussage sein eifriges Nicken und sein stilles Lächeln – noch acht Jahre danach. Auch wenn er die Aquarama längst hat. „Bis dahin“, erklärt Kamm auf der Terrasse des Hotels Bellerive in Salo am Westufer des Gardasees, „war es mehr ein Traum.“ Der Traum von einem Boot, das auf Grund seiner Eleganz, technischen Finesse und hochwertigen Verarbeitung schon zu Bauzeiten zum Klassiker avanciert war und für das Spitzensummen weit jenseits des Listenpreises von 18 000 Dollar gezahlt wurden. Die Exklusivität, etwas zu besitzen, was nur wenige haben, reizt Kamm. „Die Worte meines Freundes weckten meinen Ehrgeiz. Jetzt galt es, ihm, aber vor allem mir selbst zu beweisen, dass ich eine Original Aquarama von Riva kriegen kann – und zwar nicht zu einem Mondpreis.“

Kamm meint es ernst und macht Ernst. Auf der Jagd nach der Aquarama entdeckt er den Reiz und den Preis der Exklusivität, Jahre bevor er Vorstandsvorsitzender der Luxusledermarke Aigner wird. Und sie macht aus einem Segler einen Motorbootfahrer.

Ende Februar 1999 nimmt er sich nach einem langen Wochenende am Gardasee vier weitere Tage frei, schickt seine Frau nach Hause, nach München. Mit Hilfe von Bootszeitungen recherchiert er. Seine erste Anlaufstelle ist die Riva-Werft in Salo, keine fünf Minuten zu Fuß vom Hotel Bellerive, in dem er schon damals wohnte. „Ich kam zu spät“, sagt Kamm. Der Werftbesitzer, Alberto Arcangeli, hatte gerade eine Aquarama, Baujahr 1969, restauriert und verkauft

.

Adresse Nummer zwei ist Peschiera del Garda. „Dort war ich nicht zu spät, sondern zu zurückhaltend“, sagt Kamm. Die Aquarama Spezial – eine Art Sondermodell für den amerikanischen Markt mit Einstieg am Heck – ist dem gebürtigen Schwaben mit 400 000 Mark zu teuer.

Steg Nummer drei liegt am Lago Maggiore. „Wieder zu teuer“, erinnert sich Kamm. Resignation oder gar Verzweiflung? Nein, das Gegenteil! „Mein Verlangen wuchs von Werft zu Werft, von Bootsbesitzer zu Bootsbesitzer“, erzählt Kamm.

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