Kränkungen
Mit Infos die Getreuen belohnen

Gerade mal ein Viertel der deutschen Angestellten fühlt sich vom Chef umfassend informiert. Der Umkehrschluss: Drei Viertel tun das nicht – und fühlen sich deshalb gekränkt. Das ergab eine Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup.

Fühlen Sie sich oft gekränkt? Vielleicht, weil sie übergangen wurden? Oder weil man Sie nicht informiert hat? So geht es vielen. Wie typisch die tägliche Desinformationen und vor allem ihre Wahrnehmung sind, zeigt eine Untersuchung des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup: Gerade mal ein Viertel der deutschen Angestellten fühlt sich vom Chef umfassend informiert. Der Umkehrschluss: Drei Viertel tun das nicht – und fühlen sich deshalb gekränkt.

„Unklare Arbeitsaufträge oder mangelhafte Aufklärung zählen zu den Hauptgründen für soziale Spannungen und Konflikte in Organisationen“, resümiert die Münchner Psychologin Bärbel Wardetzki. Mit anderen Worten: Nicht nur Kollegen und Mitarbeiter, sondern manchmal auch die Chefs fühlen sich immer wieder im Berufsalltag gekränkt. Weil sie verletzt wurden von anderen, denen diese Folge ihres Tuns oder Unterlassens oft gar nicht in den Sinn kommt. Weil sie es womöglich nicht einmal beabsichtigten, jemanden zu kränken – geschweige denn bemerken.

Typische Situation: Mitarbeiter sind gekränkt, wenn sie nicht durchschauen, warum welche Entscheidungen getroffen wurden oder wenn sie Informationen zu spät oder gar nicht erhalten. „Sie fühlen sich dadurch entwertet und ohne Einfluss“, erklärt Autorin Wardetzki („Kränkung am Arbeitsplatz“, Kösel Verlag). Denn keiner will – zumal in turbulenten Zeiten – Entwicklungen und Veränderungen blind ausgeliefert sein.

Manchmal steckt auch Kalkül dahinter: „Mit Informationen werden Getreue belohnt, Gefolgsleute gekauft, Unentschlossene geködert und Mitläufer gebauchpinselt“, beschreibt Wardetzki. „Mit Nicht-Informationen sehen sich Abweichler und Missliebige zur Ordnung gerufen oder direkt gestraft und ausgegrenzt.“ Keine Infos zu bekommen wirkt demütigend und gibt ein Gefühl von Bedeutungslosigkeit. Wer sich kalt gestellt fühlt, fürchtet, nicht mehr gewollt zu sein. „Und hat oft damit auch Recht“, weiß Wardetzki.

Auch wenn es oft nur an Überlastung liegt, skizziert Lutz Rachner, Partner beim Unternehmensberater Kienbaum: „Manager müssen mit vielen verschiedenen Leuten kommunizieren und werfen aus Zeitmangel oft nur mal einen Brocken hin. Das kommt oft falsch an“. Oder: Führungskräfte treffen Vereinbarungen nur mit einem Einzelnen – ohne die anderen Betroffenen darüber zu informieren. Aus Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit – aber mit erheblichen Folgen. „Das schürt nämlich den Buschfunk“, so Rachner. Die Kollegen fühlen sich zurückgesetzt, es wurmt sie und sie verlieren Zeit, wenn sie sich darüber ärgern und echauffieren. Besonders tragisch sind diese Kränkungen durch Desinformation in Krisen: Wenn Mitarbeiter zu lange im Unklaren gelassen werden, wie es mit ihnen oder der Firma weitergeht und sie – das ist der Gau – das erst in der Presse lesen.

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