Kraft-Chefin Irene Rosenfeld
Humorfreie Zone

Kraft-Chefin Irene Rosenfeld lächelt auf Fotos, aber im Büro versteht sie nur selten Spaß. Die Chef-Reformerin steht unter starkem Druck. Um den Nahrungsmittel-Riesen aus der Krise zu holen, bat sie um Zeit. Das hört die Wall Street nicht gern.

NEW YORK. Die Bezeichnung "Cheese Queen" (Käsekönigin), die das US-Magazin "Fortune" einer der weltweit mächtigsten Frauen kürzlich verpasste, ist nicht nur auf den ersten Blick reichlich daneben. Auf den zweiten verfestigt sich die Bewertung noch.

Kraft-Konzernchefin Irene Rosenfeld ist unvorstellbar in der Rolle der Käsekönigin, die nett lächelnd versucht, Käse, Kekse und Ketchup unters Volk zu bringen. Nicht umsonst gilt ihr Büro 20 Meilen nördlich von Chicago als humorfreie Zone.

Schlank und schlaksig tritt die 53-Jährige an der New Yorker Wall Street zum Fernsehinterview an, die Nase spitz und auf dem Haupt eine strenge Bubikopf-Frisur, die einst als Zeichen der Gleichberechtigung die Frauenmode eroberte.

Nach einem unauffälligen ersten Jahr im Amt muss sie nun in die Offensive gehen: Für 7,2 Mrd. Dollar will sie die Gebäcksparte des französischen Konkurrenten Danone kaufen (u.a. Tuc, LU, Mikado). Das soll und kann nur ein erster Schritt sein, um den schwerfälligen Nahrungsmittelriesen mit seinen angeschlagenen Marken wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

"Sie hat diese Turn-around-Mentalität", loben Weggefährten. Die Bezeichnung "Chefreformerin" würde wesentlich besser zu ihr passen als "Käsekönigin". Rosenfeld kletterte an die Spitze eines Großkonzerns, gerade weil ihr es in der Vergangenheit gelungen war, totgesagten Marken neues Leben einzuhauchen. Der frühere Kraft-Manager und heutige Mattel-Chef Robert Eckert beschreibt sie als "Problemlöserin mit einem fast laserähnlichen Fokus, Geschäfte zu verbessern".

Analysten würden jubeln - wenn Rosenfeld bei Kraft nur schon so weit wäre. Dringend fordern sie einen Neubeginn beim Nahrungsmittelriesen, mit 34 Mrd. Dollar Umsatz und 90 000 Mitarbeitern immerhin die weltweite Nummer zwei nach Nestlé. Doch die Zeiten, als Kraft die westlichen Haushalte spielend mit Milka, Toblerone, Jacobs Kaffee, Philadelphia-Käse oder Miracle Whip eroberte, sind lange vorbei. Der rasche Wechsel im Einkaufsverhalten der Verbraucher - mehr Bioprodukte, weniger Fast Food - habe die Firma schlicht überfordert, betonen Analysten: Marktanteile und Margen schrumpfen, viele der Marken sind reichlich angestaubt, und die Stimmung in der Belegschaft sinkt mit jedem neuen Sparprogramm.

Nach 22 Jahren bei Kraft hatte es auch Irene Rosenfeld satt. Sie verließ den bürokratisch geführten Koloss 2003. Experten sprachen von einem regelrechten Exodus im Kraft-Vorstand, denn neben der damaligen Leiterin des Nordamerika-Geschäfts verließen innerhalb kurzer Zeit viele weitere Topmanager den Konzern. Während Rosenfeld als Chefin des zehn Mrd. Dollar schweren US-Snackherstellers Frito-Lay eine erfolgreiche Zwischenetappe absolvierte, ging es mit Kraft Foods weiter bergab.

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