Krankenhaus mit Gewinn
Chirurgin gewinnt Unternehmerpreis

Ingeborg Schwenger-Holst ist eine ungewöhnliche Frau mit vielen Facetten und Gegensätzen. Die 1958 geborene promovierte Ärztin und Homöopathin gewann am Mittwoch Abend den renommierten Preis „Unternehmerin des Jahres“, den alljährlich das Champagner-Haus Veuve Clicquot verleiht.

Die Tochter eines Steuerberaters und einer Chemotechnikerin baute in Berlin zusammen mit zwei Partnern gegen viele Widerstände in der Ärzteschaft die erste Privatklinik für Minimal Invasive Chirurgie (S&A Klinik für MIC GmbH) auf.

Dabei geht es um so genannte „Schlüsselloch-Chirurgie“, die nahezu keine Operationsnarben hinterlässt. Inzwischen führt die Klinik, die ohne öffentliche Zuschüsse auskommt, jährlich mit 65 Mitarbeitern rund 3 000 Operationen durch. Die gebürtige Bochumerin hat das Kunststück fertig gebracht, auf dem überregulierten Gesundheitsmarkt ein Krankenhaus mit Gewinn zu führen. Die Klinik hat nur 20 Planbetten, da die Patienten dank der schonenden und hochmodernen Operationsmethoden im Durchschnitt nur 1,7 Tage in der Klinik bleiben.

Zudem wird an sechs Tagen in der Woche 14 Stunden lang operiert. In diesem Jahr rechnet sie mit einer Steigerung des Umsatzes von 7,9 auf 8,5 Millionen Euro. Dabei kostet eine Darmoperation nur bis zu 5 000 Euro. Patienten in anderen Kliniken zahlen das Doppelte und müssen lange bleiben. 80 Prozent sind Kassenpatienten.

Frau Schwenger-Holst scheut keine unkonventionellen Wege. Sie baut Kontakte nach Dubai auf, eröffnet dort ein Büro. Arabische Klinikdirektoren können per Liveschaltung eine Operation in der MIC-Klinik verfolgen. Patienten aus dem Ausland dürfen außerhalb des staatlich festgesetzten Budgets behandelt werden.

Ihre Karriere verläuft nicht gerade stromlinienförmig: Ihrem Kindheits-Hobby Reiten folgend, studiert sie zunächst Veterinärmedizin. Wechselt aber dann ins Humanfach und studiert nebenbei noch Geschichte. Nach dem Studium wagt sie sich 1984 in die Chirurgie – bis heute eine Männerdomäne in der Medizin. Anfang der neunziger Jahre bildet sie sich in der Homöopathie fort und lässt sich als Arzt nieder. 1997 folgt die Gründung der MIC, für die sie bei Banken 13 Millionen Euro Startkapital auftreibt.

Sie hat zwei Söhne, lebt aber von dem Arzt Hartwig Holst getrennt. Die Power-Frau führt einen Poloclub, kocht auch gerne und spielt Klavier.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%