Kreative Dienstleister sind teurer als Firmen oft annehmen
Die Kunst bittet zur Kasse

Rund 173 000 Euro soll der Medienkonzern RTL für die Mitarbeit von Dieter Bohlen an die Künstlersozialkasse zahlen. Doch noch streitet sich der Sender mit der Kasse um die Abgabe. Das Problem: Längst ist nicht klar, ob Bohlens Auftritt in der Jury von "Deutschland sucht den Superstar" eine künstlerische Tätigkeit ist oder nicht. Entscheiden muss das schließlich das Gericht. Ähnlicher Ärger steht etlichen anderen Unternehmen ins Haus.

DÜSSELDORF. Denn wie RTL müssen viele Betriebe bereits seit 15 Jahren an die Kasse zahlen - nur wissen sie davon bisher häufig nichts. Die Künstlersozialkasse soll Künstler und Publizisten nicht nur für das Alter, sondern auch gegen Krankheit und Pflegebedürftigkeit absichern. Finanziert wird sie dabei zur Hälfte aus den Beiträgen der Versicherten. Weitere 20 Prozent kommen als Zuschuss vom Bund, der Rest stammt aus der Künstlersozialabgabe. Diese muss jedes Unternehmen zahlen, das künstlerische und publizistische Beiträge verwertet.

Da bisher die Künstlersozialkasse jedoch selbstständig kontrollierte, ob die Unternehmen diesen Verpflichtungen tatsächlich folgten oder nicht, kamen viele davon. Immerhin waren insgesamt nur gut zehn Mitarbeiter bei der Kasse für die Überprüfung sämtlicher Unternehmen zuständig. "Wer nicht zahlte, fiel meistens überhaupt nicht auf", sagt Wolfgang Heiliger, Steuerberater in Hilden bei Düsseldorf.

Inzwischen hat die Künstlersozialkasse diese Aufgabe nach einer Gesetzesänderung ausgelagert - und zwar an die Träger der Rentenversicherung. Da deren über 3 600 Prüfer ohnehin sämtliche Firmen im gesamten Bundesgebiet genau durchleuchten, kommen die Unternehmen an Zahlungen an die Kasse kaum mehr vorbei.

Und betroffen davon ist fast jeder Betrieb. Nicht nur Musiker, Darsteller, Journalisten und Autoren zählen zu den freiberuflichen Künstlern. Dem Berufskatalog der Kasse zufolge fallen auch Entertainer, Webdesigner, Fotografen oder Visagisten unter diese Gruppe. Wer also von einem selbstständigen Werbetexter eine neue Unternehmensbroschüre erstellen lässt, einen Clown für das jährliche Sommerfest engagiert oder die Webseite einem Designer zur Überarbeitung überlässt, muss dafür Gebühren zahlen. Dabei ist noch nicht einmal entscheidend, ob der jeweilige Künstler überhaupt Mitglied in der Künstlersozialkasse ist. Die einzige Ausnahme: Werden innerhalb eines Jahres nur ein oder zwei Aufträge an Künstler vergeben oder nur Aufträge an juristische Personen wie GmbHs erteilt, fallen dafür keine Gebühren an.

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