Kreditkarten-Diebstahl
Schlechte Karten vor Gericht

Plastikgeld ist verführerisch - auch für Langfinger. Ist die Karte weg, gibt es oft auch noch Ärger mit der Bank. Vor Gericht haben Bestohlene schlechte Chancen.

Vermutung

Einer Frau wurde auf einem Volksfest der Geldbeutel samt EC-Karte geklaut. Noch am selben Tag hoben die Diebe zweimal 250 Euro ab, am Folgetag weitere 500 Euro. Die Bank lehnte es ab, der Frau das Geld zu erstatten. Da die Diebe die richtige PIN-Nummer verwendet hätten, spreche alles dafür, dass sie Karte und PIN leichtsinnig und vertragswidrig zusammen im Geldbeutel aufbewahrt habe. Der Bundesgerichtshof sah das genauso. Der "Beweis des ersten Anscheins" spreche für die Vermutung der Bank, die somit nicht zahlen müsse (XI ZR 210/03).

Verspätung

Während des Familienurlaubs in Rom wurde einer Hessin eines Morgens das Portemonnaie samt EC- und "Eurocard-Gold-Kreditkarte" von Dieben aus der Tasche gezogen. Die Frau rief zwar umgehend die EC-Karten-Hotline an, ließ sich aber danach etwa 75 Minuten Zeit, um auch die goldene Kreditkarte zu sperren. Ihr Pech: Genau in dieser Zeit hatten die Langfinger damit 20-mal an diversen Automaten Geld abgehoben. Auch hier kannten die Richter kein Pardon. Die Verspätung sei nicht zu entschuldigen, eine Erstattungspflicht der Bank komme nicht in Betracht. Da die Frau beim ersten Telefonat nur den Verlust der EC-Karte gemeldet habe, könne sie sich auch nicht darauf berufen, dass sie eine Sperrung aller Karten veranlassen wollte (Oberlandesgericht Frankfurt, 16 U 70/05).

Vergesslich

Ein Rheinländer nahm einen Zettel mit seiner PIN-Nummer mit ins Hospital und bewahrte ihn samt Kreditkarte im Schließfach im Krankenzimmer auf. Zur Sicherheit schloss er außerdem die Tür ab, wenn er den Raum verließ. Die Richter werteten sein Verhalten wegen des "Publikumsverkehrs" und der bekannt hohen Diebstahlsrate in Spitälern trotzdem als "grob fahrlässig". Statt die Nummer einzuschließen, hätte er sie beim Rausgehen mitnehmen sollen (Landgericht Bonn, 5 S 41/99).

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 36 vom 3.9.2007

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