Krim-Krise: Sanktionen schmerzen europäische Unternehmen

Krim-Krise
Sanktionen schmerzen europäische Unternehmen

Nach Zusammenbruch der Sowjetunion gingen europäische Unternehmen in Scharen gen Osten. Die aktuelle Krise belastet die Firmen: Der Risikoaufschlag erhöht sich beträchtlich, Milliardeninvestitionen sind gefährdet.
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MoskauEin Stadtbummel durch Moskau führt einem die Gefahren für westeuropäische Unternehmen vor Augen, falls Sanktionen gegen Russland nach dem Vorbild Iran ergriffen würden: Autos von Renault füllen die Straßen, Läden von Zara und Louis Vuitton ziehen Kunden an und Carlsberg braut das bevorzugte Bier.

In Russland tätige Unternehmen sind mit der Aussicht konfrontiert, ihre Verflechtungen mit einem Land aufgeben zu müssen, das ein wichtiger Handelspartner mit engen finanziellen Verbindungen zum Westen geworden ist - wenn US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Drohungen umsetzen und wirtschaftliche Vergeltungsmaßnahmen für die Annexion der Krim-Halbinsel einleiten. Erste Schritte wurden bereits unternommen.

„Der Risikoaufschlag für Firmen, die an dem Markt investiert sind und dort Geschäfte unterhalten, wird sich beträchtlich erhöhen”, sagt John Lough, ein ehemaliger Manager des Erdöl-Joint-Ventures TNK-BP, der nun Associate Fellow bei der Denkfabrik Chatham House in London ist. „Die Anleger werden zu solchen Risiken unbequeme Fragen stellen.”

Westliche Unternehmen sind in Scharen nach Russland gekommen, nachdem die Sowjetunion im Jahr 1991 zusammengebrochen war - angelockt durch die gewaltigen Bodenschätze des Landes, eine wachsende Mittelklasse und den Ausbau einer seit Jahrzehnten vernachlässigten Infrastruktur.

Unternehmen aus der Europäischen Union haben 2012 Güter und Dienstleistungen im Wert von 152 Mrd. Euro an Russland verkauft, das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Daten der EU-Kommission zeigen. Das verdeutlicht die Bedeutung des benachbarten Exportmarktes, während die heimische Wirtschaft erst aus ihrer drei Jahre währenden Rezession herauskommt.

Erste Sanktionen wurden bereits verhängt. Die EU-Außenminister haben sich am Montag in Brüssel auf eine Liste von 21 Personen geeinigt, gegen die Einreiseverbote verhängt und deren Konten gesperrt werden. Die USA blockierten das Vermögen von sieben hochrangigen Regierungsvertretern aus Russland. Obama warnte Russland zudem, dass weitere Sanktionen verhängt werden könnten, wenn die Eskalation der Lage weiter vorangetrieben werde.

Ein fast komplettes Handelsverbot - so wie es USA und EU gegen den Iran und Nordkorea erlassen haben - gilt im Fall von Russland als eher unwahrscheinlich. Die Firmen müssen sich aber dennoch auf alle Eventualitäten einstellen, sagte Eugene Nivorozhkin, Wirtschaftsdozent am University College London.

Ein noch härteres Durchgreifen als beispielsweise Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Bank-Aktiva wird ihm zufolge auf den Widerstand der europäischen Länder stoßen, die enge Beziehungen zu Russland haben. „Es geht darum, inwieweit Europa Willens ist, die Kosten der Sanktionen in Kauf zu nehmen - und diese Kosten sind unvermeidbar”, sagte Nivorozhkin.

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849 Millionen Dollar an einem Tag verloren

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  • Wenn die "Westmächte" nicht aufhören und der Wirtschaft schaden wollen, sollten wir die Veranwortlichen vor Gericht stellen. Es geht hier nur um deren Börsenzockerei und die US-UK-Absatzmärkte von Öl, Gas, Fracking-Öl, Waffen, etc.! Das ist vorsätzliche Kursmanipulation an den Märkten und das gehört strafrechtlich sowie völkerrechtlich verfolgt. Darüber spricht die "nette" Fr. Dr. M. nicht! Welche Heuchelei da gegehüber den Russen betrieben wird. Hat man den USA/ dem UK auch Sanktionen nach dem verlogenen IRAK, Libyien, Afghanistan, Vietnam, Koreo-Krieg auferlegt? Nein, denn da sitzen die Zocker und raffgierigen Schuldenmacher. Lest 1984 und Ihr wisst was uns Allen von deren Seite droht. Das mit der NSA mal noch oben drauf. So eine blinde und heuchlerische Volkskammmer hatten wir noch nie in Berlin sitzen! Andersdenken werden von den gleichgeschalteten Systemmedien überollt. Eine bodenlose Welt-Schande ist das, was das mit Russland passiert und wie allerseitens versucht wird, Herrn Putin zu demontieren und den eigenen Schuldenmüll unter den Tisch zu kehren! Wir Deutschen sollten der NATO, Berlin und Brüssel mal deutlich machen, was wir von deren "Dreckspolitik" halten! Pfui

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