Krise bei Thyssen-Krupp
Aktionärsverband fordert Rücktritt von Cromme

Die Kritik an Gerhard Cromme wird immer lauter. Er schiebe die Schuld immer auf die anderen Vorstandsmitglieder, statt sie bei sich selber zu suchen, so der Vorwurf. Ein Aktionärsverband fordert nun seinen Rücktritt.
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DüsseldorfVor der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung von ThyssenKrupp hat erstmals ein Aktionärsverband den Rückzug von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gefordert. "Cromme muss zurücktreten", sagte der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Markus Dufner, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Er verwies auf die Milliardenverluste mit den neuen Stahlwerken in Übersee, die illegalen Kartellabsprachen und die Korruptionsvorwürfe.

„Wenn Cromme davon wusste, muss er zurücktreten. Wenn nicht, dann ist er als Chefkontrolleur unfähig.“ Er solle sich aus dem Gremium komplett zurückziehen und auch nicht an die Spitze der Krupp-Stiftung wechseln, die einen Anteil von 25 Prozent am Konzern hält. ThyssenKrupp lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Der Aufsichtsrat kommt am Abend zusammen, um über die Krise bei dem Mischkonzern mit rund 170.000 Beschäftigten und über den Bericht zum Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) zu beraten. Es wird erwartet, dass ThyssenKrupp auf die Verluste schreibenden Stahlwerke in den USA und Brasilien weitere Abschreibungen vornimmt und einen Verlust in Milliardenhöhe vorlegt.

In den vergangenen Tagen war die Kritik an Cromme immer lauter geworden. Der seit 2001 amtierende Aufsichtsratschef sieht die Hauptverantwortung für die Fehlentwicklungen beim Management. Drei Vorstände sollen gehen. "Cromme ist seinen Verpflichtungen in den vergangenen Jahren nur unzureichend nachgekommen", sagte Dorothea Kerschgens, die seit 2004 als Vorstandsmitglied des Dachverbandes Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre ThyssenKrupp unter die Lupe nimmt. "Er sieht die Schuld immer bei anderen Vorstandsmitgliedern und nie seinen eigenen Anteil."

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben Aktionäre, die über einen Anteil von insgesamt 100.000 bis 150.000 Aktien verfügen.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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