Krisen und Boomjahre bestimmen die Ära Greenspan
Ein Liberaler erlangt mit Eingriffen großen Ruhm

Als Alan Greenspan 1987 das Amt als Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) übernahm, überraschte er den damaligen Präsidenten Ronald Reagan mit einer mutigen Voraussage: „Ich bedanke mich schon jetzt bei allen, die die nächsten vier Jahre für mich zu einem Spaziergang machen und dafür sorgen, dass die Inflation stets im Griff, die Aktienmärkte immer optimistisch, der Dollar stabil, die Zinsen niedrig und die Beschäftigung hoch bleiben.“

NEW YORK. Aus vier Jahren sind inzwischen mehr als 18 Jahre geworden. Und ein Spaziergang waren sie für den heute 79-Jährigen keineswegs. Nur wenige Monate im Amt musste Greenspan bereits die erste Finanzkrise managen. Am 19. Oktober 1987 brachen die Börsenkurse rund um den Globus ein. Der neue Fed-Chef erkannte die Gefahr und reagierte mit massiven Zinssenkungen auf den Crash.

Ähnlich entschlossen zeigte sich Greenspan in den 90er-Jahren während der Finanzkrise in Mexiko und der Liquiditätsklemme rund um den Hedge-Fonds Long Term Capital Management. Damals wie auch nach den Terroranschlägen 2001 war er mit Rat und Geld zur Stelle, um Schaden von der Finanzwelt abzuwenden.

Überaus zurückhaltend reagierte Greenspan allerdings 1998, als sich am US-Aktienmarkt eine riesige Spekulationsblase für Internetpapiere bildete. Zwar warnte der Notenbanker bereits zwei Jahre vorher vor „irrationalen Übertreibungen“ an der Börse. Auf frühzeitige Zinserhöhungen oder Kreditbeschränkungen verzichtete er aber. Im Gegenteil: Mit seinen Reden zum Produktivitätswunder in den USA schürte er noch die „ansteckende Gier“ der New Economy, die er später verurteilte.

Greenspan zufolge ist es unmöglich, Spekulationsblasen zu erkennen, bevor sie geplatzt sind. Entsprechend seiner Philosophie des „Risikomanagements“ plädiert er stattdessen dafür, die Folgen solcher Marktexzesse zu mildern. Seine Kritiker halten ihm entgegen, dass er dadurch die Finanzmärkte in der fatalen Sicherheit wiege, die Notenbank würde immer als Retter in der Krise zur Verfügung stehen. Das führe jedoch zu neuen Ungleichgewichten in der Wirtschaft.

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