Krisenkommunikation
Wenn der coole Überblick fehlt

Spätestens seit dem Siemens-Korruptionsskandal gehört das Modewort Compliance, die praktizierte Rechtschaffenheit in Unternehmen, in den meisten Firmen zum Alltag. Doch kommt es zum Krisenfall, ist vor allem eines von Bedeutung: In Compliance-Fällen ist Sprachlosigkeit der Gau, gute Krisenkommunikation dagegen entscheidend.

HEIDELBERG. Es gibt Traditionsunternehmen – man denke an die BMW AG –, in denen sich das Modewort Compliance noch nicht in der Konzernstruktur wiederfindet. Sie werden aber allmählich zur Ausnahme: Die praktizierte Rechtschaffenheit im und durch das Unternehmen verlangt nach Neuorganisation überall dort, wo sie noch nicht Teil des Firmenalltags geworden ist. Der Korruptionsskandal im Hause Siemens hat da eine Art Zeitenwende markiert.

Doch bedeutet Compliance für die Verantwortlichen in Unternehmen in Krisenfällen zunächst vor allem eines: Kommunikation. Das ist die Erfahrung der Experten, die sich in dem jungen Netzwerk Compliance zusammengeschlossen haben. Der neue Verein beleuchtete gestern in Heidelberg „Das Unternehmen in der Compliance-Krise“. Mit solchen Veranstaltungen will das Netzwerk den Austausch zwischen den Compliance-Beauftragten, Rechtsanwälten und Behörden intensivieren.

„Die Kommunikationskrise ist oft die eigentliche Krise“, sagt Friedmar Nusch, Kommunikationschef der Heidelberger Druckmaschinen AG. Diese These vertritt auch Reinhard Preusche, Chef der Group Compliance der Allianz. Gerade in Krisensituationen seien Compliance-Experten im Unternehmen als zentrale Kommunikatoren gefragt, sagte er. Sie müssten die Abteilungen so früh wie möglich auf drohende Gefahren aus Compliance-Fällen aufmerksam machen und dafür sorgen, dass sich hochrangige Stellen – am besten der Vorstand – der Sache annehmen. „Wenn die Staatsanwaltschaft anrollt und die Pressestelle keine Antwort parat hat, ist das fast schon der Gau.“

Preusche, erläuterte sein in der Unternehmenspraxis entwickeltes „Zwei-Phasen-Modell“, das durch den Verlauf des Siemens-Skandals eindrucksvoll bestätigt wird. Die Razzien der Staatsanwaltschaft München trafen das Unternehmen zwar nicht völlig unvorbereitet. Doch eine klare Kommunikationsstrategie war wegen der verteilten Zuständigkeiten im Unternehmen und den hektischen Reaktionen der höchsten Führung zunächst nicht zu erkennen.

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