Krisenkonzern
Ex-Chef von Metlife soll AIG retten

Der US-Versicherer AIG bekommt einen neuen Chef. Der notleidende und vom Staat massiv gestützte Konzern hat laut US-Medien den früheren Vorsitzenden des Konkurrenten Metlife, Robert Benmosche, an seine Spitze berufen. Benmosche wird Nachfolger von Edward Liddy, der vor knapp einem Jahr kurzfristig als Sanierer eingesprungen war.

NEW YORK. Ein altgedienter Wall-Street- und Marketingstar soll künftig den Skandalversicherer AIG führen. Robert H. Benmosche, Ex-Chef des Konkurrenten Metlife, sei vom Aufsichtsrat zum Nachfolger des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Ed Liddy gewählt worden, berichteten gestern verschiedene US-Medien unter Berufung auf Finanzkreise. AIG selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Auf den 65-jährigen Vater zweier Kinder kommt eine nicht gerade einfache Aufgabe zu. AIG, ehemals der größte Versicherer der Welt, hatte sich mit Derivaten verspekuliert und musste in der Finanzkrise mit insgesamt 180 Mrd. Dollar vom Staat gestützt werden. Der Versicherungsspezialist Liddy war nach Bekanntwerden des Skandals im Herbst 2008 von der damaligen US-Regierung zur Rettung des Konzerns aus dem Ruhestand geholt worden, geriet jedoch wegen Bonuszahlungen, die er nur teilweise zu verantworten hatte, schnell in die Kritik. Er stellte sein Amt früh wieder zur Verfügung.

Benmosche, der nach dem Tod seines Vaters schon als Kind gemeinsam mit seiner Mutter das hochverschuldete Motel der Familie führen musste, blickt auf eine erfolgreiche und schillernde Karriere zurück. Der studierte Mathematiker kam im Vietnam- und Koreakrieg mit Kommunikationstechnologie in Berührung und wurde daraufhin 1966 IT-Spezialist bei der Beratungsfirma Arthur D. Little. Von dort wechselte er zunächst zur Chase Manhattan Bank und dann zum Vermögensverwalter Paine Webber. Die heute zur Schweizer UBS gehörende Wall-Street-Firma verzeichnete ein massives Einlagenwachstum, nachdem Benmosche die IT modernisiert und die Verantwortung für das Marketing übernommen hatte.

Ohne größere Kenntnis der Versicherungsbranche wechselte er 1995 zu Metlife und wurde 1998 Vorstandschef des kriselnden Unternehmens. Im Jahr 2000 brachte er die bis dato genossenschaftlich organisierte Firma an die Börse. Die Erfahrungen bei der Restrukturierung von Metlife dürften ihm bei AIG entgegenkommen.

Bei AIG wird seine Aufgabe aber vermutlich weitgehend in der Abwicklung des Konzerns bestehen, damit dessen Schulden beim Staat beglichen werden können. In 20 Transaktionen hat AIG bislang 7,4 Mrd. Dollar erlöst. Als Nächstes sollen Investoren für die in „Chartis“ umbenannte Sach- und Unfallversicherungssparte gefunden sowie der Flugzeugfinanzierer IFLC verkauft werden.

Der 1,94 Meter große Benmosche gilt als zupackender Manager, der mit seinen Mitarbeitern auch mal hart ins Gericht geht. Zudem geht er auch immer dann gerne Risiken ein, wenn er große Chancen wittert. So kaufte er kurz nach dem Balkankrieg für eine Mio. Dollar eine Strandvilla in Kroatien, die jetzt nach Befriedung der Region ein Mehrfaches wert sein dürfte.

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