Kritiker favorisieren Gegenkandidaten
Nachfolgestreit überschattet Pleisters 60. Geburtstag

Eine offizielle Feier wird es heute nicht geben zum sechzigsten Geburtstag von Christopher Pleister. Das hat der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken nicht gewollt. Dabei könnte es die letzte Gelegenheit sein, spotten Kritiker. Zwar will Pleister nach 2009 erneut kandidieren, doch nicht alle Genossen sind dafür.

FRANKFURT. Viele Genossen favorisieren den bayrischen Gegenkandidaten Stephan Götzl. Der Kampf um die Nachfolge tobt, Freunde und Feinde ziehen Bilanz nach fast zehnjähriger Amtszeit.

Schwung habe der begeisterte Jazz-Pianist Pleister in den Laden gebracht, buchen viele auf die Haben-Seite, zur Versachlichung der Diskussion habe er beigetragen. Auch die Reform der Sicherungseinrichtung wird ihm zugerechnet. Sie schützt bei einer Bankenpleite die Kundengelder über das gesetzliche Maß hinaus. Die Frühwarnsysteme und der Anreiz, bei guter Bonität weniger in den Garantiefonds zahlen zu müssen, hätten ein besseres Risikomanagement in den rund 1300 Volks- und Raiffeisenbanken nach sich gezogen, heißt es.

Persönlich schätzen viele Kreditgenossen Pleisters Rednertalent, „auch wenn es gelegentlich etwas weniger philosophisch und dafür bodenständiger zugehen dürfte“. Und seine „Nehmerqualitäten wenn die Volksbankerseele kocht“. Dann lasse er sich auch von Abstimmungsniederlagen nicht irritieren, sagen Gremiumsvertreter. Viele meinen das respektvoll, andere nennen den gebürtigen Hamburger deswegen stur und attestieren ihm „zu viel Distanz zur Basis“.

Umstritten ist Pleisters Performance beim Thema Fachräte. Die Strategie-Arbeitsgruppen sollten den Verbund weiter entwickeln. Doch bisher sei „zu wenig Greifbares herausgekommen“. Da werde ständig das Rad neu erfunden oder Innovationen aus den Regionen mit dem BVR-Fähnchen versehen, monieren Fachratsmitglieder.

Im Soll sehen sie ihren Präsidenten bei Rezepten gegen sinkende Marktanteile und schwindende Zinseinnahmen. Der Zinsüberschuss bröckelte zuletzt im Verbund um gut zwei Prozent auf 16,4 Mrd. Euro, Tendenz fallend. Der Marktanteil stagniert seit Jahren zwischen 20 und 25 Prozent. Direktbanken und Auslandsinstitute greifen mit Kampfkonditionen an.

Auch das Scheitern der Fusion zwischen DZ- und WGZ-Bank wird Pleister angekreidet. Er habe mit gezielten Indiskretionen den Zusammenschluss der Zentralbanken torpediert. Pleister hat dies stets bestritten. Viele Genossen glauben dennoch erst an eine Fusion nach ihm. Doch ob die Ära Pleister schon 2009 oder erst 2014 endet, ist noch nicht entschieden.

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