Kuka-Vorstand
An der ganz kurzen Leine der Eigentümer

Der Kuka-Vorstand versteht die Welt nicht mehr. Der Großaktionär und schwäbische Mittelständler Grenzebach, der eigentlich Ruhe ins Haus bringen sollte, hat das Management praktisch entmündigt. Beobachter fragen sich, wie lange Vorstandschef Kayser und Finanzvorstand Rapp noch an Bord bleiben.

DÜSSELDORF. Warum tun die sich das an? Warum gehen Horst Kayser und Matthias Rapp noch jeden Tag ins Büro, vorbei an den eben noch tuschelnden Mitarbeitern, die oft verdächtig still werden, sobald die Chefs auf dem Flur auftauchen? Wie halten es die beiden aus, jeden Tag in der Zeitung nachschauen zu müssen, ob der Hauptgesellschafter ihnen wieder einen Tritt verpasst hat – dorthin, wo es besonders wehtut?

„Ich verstehe nicht, was sich da abspielt“, sagt ein Analyst, der Kuka verfolgt. „Was für ein Interesse soll ein Großaktionär haben, sein eigenes Management zu demontieren, es aber dann nicht rauszuschmeißen? Das macht doch keinen Sinn.“

Am Montag hätte es so weit sein sollen. Der schwäbische Mittelständler Grenzebach, mit 29 Prozent der weitaus größte Kuka-Aktionär, hatte eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung erzwungen. Dort standen Vorstandschef Kayser und Finanzvorstand Rapp zur Disposition – bundesweit nachzulesen in zahlreichen Zeitungsartikeln.

Doch der Montag kam und ging – und Kayser und Rapp sind immer noch im Amt. Was hatten ihnen die „Aufsichtsratskreise“, auf die sich Medien in solchen Situationen berufen, nicht alles vorgeworfen. Führungsschwäche, Trägheit, zu wenig strategische Weitsicht, zu viel Hörigkeit gegenüber Unternehmensberatern. Kuka, so schien es, taumelte unter Kayser und Rapp ausgerechnet in der größten Krise seit Jahrzehnten führungslos auf den Abgrund zu.

Nun haben die beiden eine Bewährungsfrist. „Der Kuka Konzern wird weiterhin von Dr. Horst J. Kayser, Vorsitzender des Vorstands, und Dr. Matthias J. Rapp, Vorstand Finanzen und Controlling geführt“, verkündete Kuka am Montagabend.

Doch die Meldung war erst wenige Minuten alt, da streuten die einschlägigen „Kreise“ schon das Gegenteil. US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte, der zehn Prozent an dem Konzern hält, soll getobt haben, als Kuka zeitgleich mit der Bestätigung der Vorstände eine Gewinnwarnung herausgab. Wyser-Pratte, selbst mit seinem Fonds in Schwierigkeiten, hat schon einen Kuka-Kurs von 30 Euro gesehen – jetzt steht der bei zehn Euro. Was den raubeinigen Amerikaner kurzfristig beruhigte: Kayser ist dazu verdonnert, die Strategievorgaben der Großaktionäre umzusetzen. Zudem soll Finanzvorstand Rapp spätestens Ende des Jahres gehen. Dies gilt zwischen den Großaktionären als ausgemacht.

Wem das helfen soll, bleibt offen. Neben den „Aufsichtsratskreisen“ gibt es auch die „Finanzkreise“ – eine Umschreibung der Investoren und Analysten, die sich mit Kuka beschäftigen. Unter ihnen wiederum meldeten sich gestern Stimmen, die Rapp für den stärkeren Mann halten. Wenn der nun gehe, sei das für den Aktienkurs nicht gut. Und für das Unternehmen erst recht nicht. „Uns reicht es jetzt langsam“, sagt ein Betriebsrat. „Entweder der Vorstand hat das Vertrauen der Aktionäre, oder er hat es nicht. Aber diese ewige Diskussion können wir nicht länger ertragen.“

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