Kulturelles Engagement: Warum Unternehmen Mitarbeiter zum Malen schicken

Kulturelles Engagement
Warum Unternehmen Mitarbeiter zum Malen schicken

Was haben Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung und Chorsingen mit Zahnpasta gemeinsam? Auf den ersten Blick: nichts. Dennoch nimmt die Drogeriemarktkette Dm für Projekte wie diese viel Geld in die Hand. Was steckt dahinter?
  • 1

DÜSSELDORF. Die Stimmung könnte nicht besser sein. Ausgelassen schmettert der Chor auf der Dm-Betriebsweihnachtsfeier. Das Publikum wippt begeistert mit. Die roterhitzten Gesichter der Sänger strahlen. Es ist der erste Auftritt des eigens gegründteten Dm-Chor. Ein voller Erfolg. Doch bei der Drogeriemarktkette wird nicht nur gesungen: Die Mitarbeiter malen Bilder, bauen Skulpturen oder diskutieren über Literatur-Klassiker. Mit dem Verkauf von Zahnpasta und Klopapier hat das wenig gemein. "Kosten-Nutzen-Analysen sind hier fehl am Platz", sagt Erich Harsch, Vorsitzender der Dm-Geschäftsführung. "In künstlerischen Projekten lernen die Individuen sich selbst besser kennen, schärfen ihre Wahrnehmung und stärken ihre Persönlichkeit. Das ist gut für die Gemeinschaft, also das Unternehmen", so Harsch.

Wie die Dm-Geschäftsführung denken mittlerweile viele. "Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Mitarbeiter im Unternehmen auch ihren Horizont erweitern und sich dabei gut fühlen sollen. Das stärkt die Identifikation mit dem Arbeitgeber", sagt Erik Bethkenhagen von der Personalberatung Kienbaum. "Unternehmen engagieren sich in der Kultur, weil sie gelernt haben, dass die Kultur positiv unter anderem auf die Mitarbeiter abstrahlt", so Stephan Frucht, Geschäftsführer des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft.

Das heißt aber nicht, dass die Unternehmen ihren Angestellten die Kultur verordnen. In der Regel bilden sich freiwillig rund zehnköpfige Gruppen, die sich einem bestimmten Thema widmen. Nächstes Jahr beispielsweise will sich Dm-Vorstand Harsch mit den Gebietsleitern aus Bayern mit Lessings Nathan der Weise beschäftigen. Die Gruppe plant in den dafür vorgesehenen drei Tagen, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen, eine Aufführung anzuschauen und Erkenntnisse für den Alltag zu gewinnen. "Wir nutzen die Kunst als Werkzeug, um unsere Sinne zu schärfen", so Harsch. Was die Drogeriemarktkette für sein Kultur-Engagement ausgibt, weiß er angeblich nicht. "Die Kosten werden bei Dm dezentral abgerechnet, über ganz verschiedene Kostenstellen", sagt er.

Was laut Personalberater Bethkenhagen außerdem neu ist: "Die Unternehmen verstecken ihr kulturelles Engagement nicht mehr, sondern reden darüber." So auch der Pharmakonzern Bayer. Die Leverkusener haben bereits seit über hundert Jahren ein eigenes Kulturhaus. In dem Theater mit 800 Plätzen finden jährlich 150 Konzerte, Tanz- und Schauspielaufführungen statt. Ein eigenes Ensemble hat der Pharmakonzern allerdings nicht. Das pralle Programm wird allein durch Gastspiele bestritten. Die Preise für die Karten sind niedrig: Kindervorstellungen kosten meist fünf Euro, Konzerte bis zu 30 Euro. Viel zu wenig, um die hohen Kosten für die Künstler zu decken. "Kulturelles Engagement hat bei uns Tradition", sagt Silke Schenk von Bayer.

So auch BASF: Bereit seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bittet der Chemiekonzern seine Mitarbeiter und Kulturinteressierte zum Konzert. In dem Feierabendhaus auf dem Ludwigshafener Werksgelände ertönen Klänge von Mahlers erster Sinfonie oder die Ouvertüre zu Webers "Der Freischütz". Etwa 120 Euro kostet ein Abonnement für die sechs verschiedenen Sinfoniekonzerte, Schüler zahlen sogar nur 30 Euro. Ob diese Preise die Kosten decken? Sicher nicht. "Kultur kostet immer. Aber es ist eine sehr gute Investition", so Klaus Philipp Seif von der BASF. Die Konzerte seien wichtig für die Region und die Mitarbeiter - sie erhöhten deren Innovationsfähigkeit.

Kommentare zu " Kulturelles Engagement: Warum Unternehmen Mitarbeiter zum Malen schicken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Guten Tag,.... Lassen Sie mich raten;...... Weil ihre Vorgesetzten weder Schreiben noch Lesen koennen ? besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%