„Kunst-Macher“ Christian Nagel: Ein bisschen wie Franz Josef Strauß

„Kunst-Macher“ Christian Nagel
Ein bisschen wie Franz Josef Strauß

Christian Nagel grantelt gern über die hoch gehandelten Leipziger Maler und über die Schickeria auf Kunstmessen. In seinen beiden Galerien verkauft der Bayer kopflastige, politische Werke.

HB KÖLN. Wenn ein Thema Christian Nagel bewegt, dann ringen seine Hände miteinander, schiebt sich sein Kopf ein wenig nach vorn, als würde er weggedrückt von den nach oben wandernden Schultern. Ein ganz klein wenig wirkt der Galerist dann wie sein verstorbener Landsmann Franz Josef Strauß. Viel schlanker und viel jünger, klar. Aber wenn Nagel grübelt, scheint das bayerische Naturell aus ihm ausbrechen zu wollen.

So viel Süddeutsches will nicht passen in jene merkwürdige Mischung aus wunderschönen Altbauten und hässlichen Nachkriegsaufbau-Relikten, die der Kölner "Belgisches Viertel" nennt. Und erst recht nicht in die hässlich-graue Einfallstraße, in der die Galerie Christian Nagel residiert. Jedes Gebäude hier ist verunziert mit Graffitis, nebenan residiert die Friseurinnung, gegenüber kündet eine Baugrube vom Herannahen des nächsten 08/15-Neubaus.

"Schuhkarton" nennt Nagel den schmucklosen Raum seiner Galerie: "Ich wollte es ganz bodenständig haben." Und das ist immerhin ein Fortschritt nach den ersten beiden Standorten, die der Bayer am Rhein mit "Kebab-Bude im ersten Stock" und "Büro" tituliert. Und dann gibt es ja noch den Ableger in Berlin, "der ist ganz in Weiß durchdesignt", ganz anders, hauptstädtischer eben.

Vielleicht braucht es einen wie Christian Nagel, um so sperrige Kunst zu verkaufen, wie er das tut. Einen, der keine feuilletonistischen Wortblasen aufpustet, sondern der engagiert und doch nüchtern daherkommt. Kopflastige, politische Werke verkauft er, oft sind darunter raumgreifende Installationen. Cosima von Bonin, Merlin Carpenter und Michael Krebber sind die bekanntesten Namen, die unter seinem Künstlerstamm zu finden sind.

"Das Publikum für diese Art Kunst wird immer kleiner sein als für figurative Bilder", weiß Nagel. "Aber wer ist am Ende für die Kunstgeschichte wichtiger?" Deshalb auch beobachtet er die internationale Aufregung um Leipziger Maler wie Neo Rauch mit Skepsis: "Das wird nicht lange halten."

Zu platt seien die Bilder, zu einfach. So wie vor einigen Jahren die Welle junger britischer Künstler - die mag er ebenfalls nicht, obwohl er sie früh gesehen habe.

Das klingt nach einem Dauer-Kritikaster - und vermittelt doch einen falschen Eindruck. Wenn der 45-Jährige über den derzeit so überhitzten Markt redet, spricht er wie ein Politiker, der versucht, eine Krise mit diplomatischen Worten zu bereinigen: "Es gibt genug gute Kunst, um alle Wünsche zu befriedigen." Und auch wenn es scheine, als ob alle Welt sich neu für Kunst begeistere, bleibe sie doch ein "Orchideen-Fach".

Seite 1:

Ein bisschen wie Franz Josef Strauß

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%