Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim: Unbequem bis zu seinem Ende

Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim
Unbequem bis zu seinem Ende

Lothar-Günther Buchheim hatte zahlreiche Talente. Der Sammler, Museumsgründer, Galerist, Verleger, Romancier und Maler ist am vergangenen Donnerstag 89-jährig einem Herzversagen erlegen.

DÜSSELDORF. Der Autor des millionenfach verkauften, in 18 Sprachen übersetzten Bestsellers „Das Boot“, in dem Buchheim seine Erfahrungen als U-Boot-Berichterstatter verarbeitet, galt schon in seiner Jugend als malendes Wunderkind. Mit 17 Jahren erhielt er seinen ersten öffentlichen Auftrag – von der Stadt Chemnitz.

Buchheim hatte bei allem Talent auch eine gute Nase. Er sammelte die Kunst des deutschen Expressionismus, als sie nach der Verfemung durch die Nazis noch für kleines Geld zu haben war, insbesondere die Graphik. Gleichzeitig trug er wesentlich zur Rehabilitierung der Expressionisten bei, denn der Buchheim-Verlag schwemmte in den fünfziger und sechziger Jahren auf Kalenderblättern und in Kunstbüchern rote Rehe, gelbe Kühe und farbglühende Dörfer in fast alle Wohnzimmer der Republik. Seine „Hausheiligen“ sind Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Otto Mueller.

Buchheims letzter großer Coup war das nach ihm benannte Museum, das 2001 in Bernried eröffnet werden konnte und heute ein Besuchermagnet in Bayern ist. Jahrelang hatte der als Poltergeist bekannte, schwerreiche Sammler landauf, landab mit bestehenden Museen und deren Direktoren taktiert. Doch am Ende brachte ein Bürgerbegehren der Museumsgegner die ausgereiften Neubaupläne an Buchheims Wohnort Feldafing zu Fall. Die Besitzer der Nachbarvillen befürchteten eine Lärmbelästigung durch Museumsbesucher.

Das Architekturbüro Behnisch & Behnisch schuf schließlich in Bernried mit Unterstützung der bayerischen Landesregierung und privater Mäzene den vielgliedrigen Neubau. Dessen Markenzeichen ist der fotogene lange Steg direkt über dem Starnberger See. Der Museumsgründer präsentiert drinnen alles, was ihm als Sammler gefiel: Kunsthandwerk, Volkskunst aus Bayern, aber auch Stammeskunst aus Afrika, natürlich seine berühmten Expressionisten, aber auch Werke von Lovis Corinth, Alexej Jawlensky und Otto Dix. Experten setzen den Wert der Buchheim-Sammlungen mit mehr als 100 Mill. Euro an.

So wie die Expressionisten mit wilden Farbkombinationen den Geschmack der Salons attackierten, haben Etikette und Stil Buchheim kalt gelassen. Nachlässig gekleidet und wegen eines Hüftleidens stark schlurfend, fiel er in jedem Auktionshaus unter all den Gutbetuchten auf. Als geschätzter Kunde saß er aber in der ersten Reihe und bot im zerbeulten Jackett auch noch auf Kirchner und Co., als die Preise anzogen. Deren Nonkonformismus hat ihn tief geprägt – das zeigen auch seine eigenen in Bernried mitpräsentierten Gemälde.

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