Kurse zur Selbstreflexion
Mehr als nur Manager

Mitreißen und inspirieren: Wer es zum Leader bringen will, sollte am Führungsstil arbeiten. In Deutschland gibt es nur wenig Trainingsmöglichkeiten – bei den Briten haben Kurse zur Selbstreflexion Tradition.

DÜSSELDORF. Als aufgabenorientiert und technisch versiert gelten deutsche Manager. In den Disziplinen Inspirationsvermögen und soziale Kompetenz dagegen benötigen sie offenbar Nachhilfe: Bei der aktuellen Globe-Studie zur Managementkultur von mehr als 60 Nationen landeten die Deutschen beim fairen und fürsorglichen Führungsverhalten gegenüber ihren Mitarbeitern auf einem der letzten Plätze. Insgesamt wurden weltweit 17000 Führungskräfte des mittleren Managements aus 950 Organisationen befragt. An dem Mammutprojekt im Managementbereich arbeiten 170 Wissenschaftler und Praktiker. Federführend für Deutschland sind die beiden Wirtschaftspsychologie-Professoren Michael Frese von der Universität Gießen und Felix C. Brodbeck von der Universität München.

Nur langsam erkennt man hierzulande, dass sich hinter der von Chefs aus dem Englischen so gern zitierten Vokabel „Leadership“ mehr verbirgt als die effiziente Steuerung von Organisationen und Prozessen allein: Wer andere inspirieren und zu Bestleistungen motivieren will, muss zuerst an der eigenen Persönlichkeit arbeiten. Bei der Entwicklung von Leadership gehe es immer darum, den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen – mit seinen Ängsten, Visionen und Leidenschaften, betont Albert Zandvoort. Der Direktor des Ashridge Leadership Center, einer der bekannten Institutionen in Großbritannien, weiß: „Wer gut führen will, muss sich selbst gut kennen.“

Während Leadership-Kurse an ausländischen Business Schools bereits eine lange Tradition haben, ist das Angebot in Deutschland noch rar. Zwar gibt es etliche Persönlichkeitsseminare, in denen sich die Teilnehmer bei Rollenspielen und Outdoor-Übungen selbst auf die Spur kommen sollen, doch dabei fehlt in der Regel der Transfer zum Job. „Führung wird bei uns immer noch sehr fachorientiert verstanden“, sagt Daniel F. Pinnow. Er ist Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Überlingen am Bodensee. Da gelte das Motto: Wenn du deine Werkzeuge beherrschst und gut organisierst, bist du ein guter Manager. Das sei jedoch nur die halbe Wahrheit. „Entscheidend ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Person“, behauptet Pinnow. Wie sehe ich meine Führungsrolle? Wie führe ich mich selbst? Wie wirke ich auf andere? Kurz: Gefragt ist Selbstreflexion.

In den Führungsseminaren der Akademie, die Pinnow zusammen mit anderen Trainern leitet, setzt er auf Gruppendynamik und Methoden der systemischen Therapie – immer mit Bezug auf den Führungsjob. Mit Hilfe von Rollenspielen, Fragebögen und Feedback-Runden analysieren die Teilnehmer ihre Persönlichkeitsstruktur und reflektieren und optimieren ihr eigenes Führungsverhalten. Dafür brauche man sehr erfahrene Trainer mit eigener Leitungsexpertise, sagt Pinnow, der sein Angebot als einmalig in Deutschland betrachtet. Die Nachfrage gibt ihm recht. „Das knallt richtig durch die Decke“, schwärmt der Akademie-Chef. So stieg die Zahl der Teilnehmer bei den offenen Seminaren allein in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent, bei den Inhouse-Trainings war der Zuwachs noch größer.

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