Kursmanipulation
Chinas reichster Firmenchef unter Verdacht

In Chinas Handel wird er "Preis-Schlachter" genannt, weltweit sorgte Huang Guangyu als einer der reichsten Chinesen für Schlagzeilen. Jetzt sitzt der Firmenchef und Multimilliardär hinter Gittern, zumindest wenn jüngste Medienberichte in China korrekt sind. Danach soll der 39-Jährige, bereits am 19. November wegen Kursmanipulationen verhaftet worden sein.

PEKING. Huang hat sich mit Chinas Wirtschaftsboom in den vergangenen 20 Jahren vom armen Lumpensammler zum reichen Händler von DVD-Spielern, Klimaanlagen und Kühlschränken emporgearbeitet. Das Vermögen des Geschäftsmanns wurde im vergangenen Jahr auf 5 Mrd. Euro geschätzt. Doch dieses Jahr musste der Gome-Besitzer mit der Finanzkrise zusehen, wie sein Aktien- und Immobilienvermögen in wenigen Monaten um rund die Hälfte schrumpfte.

Jetzt berichtet das chinesische Wirtschaftsmagazin "Caijing", dass der Selfmade-Aufsteiger dabei die Aktienkurse der Firma Jintai beeinflusst haben soll. Jintai ist ein Schanghaier Medizin-Unternehmen, das dieses Jahr ebenfalls stark an Börsenwert verloren hat. Vor allem aber gehört Jintai dem Bruder von Huang Guangyu. Beide sind alte Geschäftspartner, haben 1987 die Handelskette Gome aufgebaut.

Gegen die Brüder war bereits vor zwei Jahren wegen angeblich illegaler Kredite ermittelt worden. Allerdings ohne Anklage. Chinas Behörden wollten gestern die jüngsten Berichte nicht bestätigen. Es hieß aber, "dass der Fall direkt der Verantwortung des Polizeiministeriums untersteht", was indirekt Ermittlungen bestätigt.

Das Unternehmen selbst schien keine Informationen über den Aufenthaltsort seines Chefs zu haben. "Wir haben keine offiziellen Dokumente in Bezug zu den Gerüchten bekommen", teilte die in Hongkong gelistete Gome Electrical Aplliances mit. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt.

In China wird Huang wegen seiner enormen Energie bewundert und darum gern mit Wal-Mart-Gründer Sam Walton verglichen. Zum einen, weil er aus einem Bauchladen eine Kette mit 1200 Läden in 280 Städten gemacht hat. Vor allem aber, weil er Huang - wie Walton - seine Strategie auf Billigpreise gesetzt hat. Während andere Anbieter in China oft versuchen, so billig wie möglich einzukaufen und so teuer wie möglich zu verkaufen, warb Huang stets mit den günstigsten Angeboten. Er baute seinen Erfolg schlicht auf die Masse.

Schon als Jugendlicher hatte Huang gelernt, dass man auch mit kleinen Gewinnen viel erreichen kann. Geboren in der "Werkbank" Chinas, der südchinesischen Provinz Guangdong, besserte er zunächst das karge Einkommen seiner Mutter durch den Verkauf gebrauchter Bücher und leerer Plastikflaschen auf. Mit 17 Jahren und 500 Dollar Startkapital kaufte Huang dann mit seinem Bruder billige Elektrowaren in den umliegenden Fabriken und fuhr gen Norden, wo er die Artikel in Peking am Straßenrand verkaufte - mit gutem Gewinn.

Mal waren es Klamotten, mal Uhren, mal Radios - "wir wollten einfach nur Geld machen", hat der immer sehr jugendlich wirkende Firmenchef einmal gesagt. Und diesem Grundsatz ist Huang, der nach der 9.Klasse bereits die Schule verließ, bis zum Multimilliardär treu geblieben. Vielleicht sogar ein bisschen zu treu, aber das müssen die Untersuchungen der Polizei in den kommenden Wochen zeigen.

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