Lachlan Murdoch krempelt New Yorker Boulevardblatt um
Ein Kronprinz bei der „New York Post“

Lachlan Murdoch will erreichen, was viele in der Medienbranche für utopisch halten: die chronisch defizitäre „Post“ zurück in die Gewinnzone bringen. Deshalb installierte er ausschließlich Leute, mit denen er bereits in Australien zusammengearbeitet hatte. Ergebnis: Die Auflage der „Post“ kletterte seit 2000 um 55 Prozent auf 678 000.

NEW YORK. Als die Lichter ausgehen, eilt Lachlan Murdoch in sein Büro. Der Geschäftsführer des Boulevardblattes „New York Post“ ahnt, dass ein schwerer Stromausfall die wichtigste Geschichte für die lokalen Zeitungen sein wird seit dem Terroranschlag vom 11. September 2001. Murdoch ackert die Nacht durch, beschafft Treibstoff für die Notstromaggregate, sucht Druckereien, die noch Strom haben.

Das war im August 2003. Am nächsten Morgen lernte er, dass harte Arbeit allein nicht immer reicht: Nur die Hälfte der Auflage war gedruckt worden, sieben Sonderseiten standen 27 Seiten des Erzrivalen „Daily News“ gegenüber. Es war nicht die erste Niederlage für Lachlan, den älteren Sohn von News-Corp.-Medienzar Rupert Murdoch. Im Jahr 2000 installierte ihn sein Vater bei der „Post“, die er 1976 übernommen hatte. Bekannt ist sie für Klatschkolumnen und glänzende Überschriften.

Sein Junior besaß zwar einen Abschluss an der Eliteuni Princeton und Erfahrungen bei News Corp. Doch scheiterte sein Versuch, eine Profi-Rugby-Liga zu installieren, und sein Engagement beim Telekomunternehmen Onetel endete gar mit der Pleite.

Es zeichnet Murdoch junior aus, dass er nie aufgibt, obwohl sein Vater ein Multimilliardär ist, der seinen Nachwuchs systematisch im Konzern platziert – eine klassische Position, um sich den Titel „verwöhntes Söhnchen“ einzufangen. Lachlan aber will erreichen, was viele in der Medienbranche für utopisch halten: die chronisch defizitäre „Post“ zurück in die Gewinnzone bringen.

So mancher in New York hielt ihn bei seiner Ankunft für einen Beau ohne Kompetenz. Das Boulevardblatt „New York Metro“ giftete: „Er ist zwar mit Model Sarah O’Hare verheiratet, aber das hält News-Corp.- Mitarbeiterinnen nicht davon ab, von ihrem Boss zu phantasieren, wenn er durch die Büros geht mit hochgekrempelten Ärmeln, die seine Tätowierungen freilegen.“ Bei der „Financial Times“ landete er in der Liste der bestangezogenen Manager auf Platz neun.

Die wenigsten hatten ihm zugetraut, rigoros das Management auszutauschen. Innerhalb von zwei Jahren blieb kein Stein auf dem anderen, Murdoch installierte ausschließlich Leute, mit denen er bereits in Australien zusammengearbeitet hatte. Ergebnis: Die Auflage der „Post“ kletterte seit 2000 um 55 Prozent auf 678 000. Die „Daily News“ liegt bei 747 000.

„Das ist verblüffend“, sagt John Morton, ein auf Medien spezialisierter Berater aus Maryland. Der wahre Test werde es aber sein, die Anzeigenumsätze ebenfalls hochzubringen. Murdoch ist optimistisch: „Wir sehen ganz klar einen Weg hin zur Profitabilität.“ Derzeit fährt das Blatt noch Verlust von rund 30 Millionen Dollar ein, verrät ein Eingeweihter. Das zu ändern ist auch eine Sache der Ehre und des Rankings innerhalb der Familie. Schafft Lachlan, was Daddy nicht gelang, könnte er sich als Kronprinz gegenüber seinem jüngeren Bruder James profilieren. Der gilt als wahrscheinlicherer Erbe des obersten Posten bei News Corp., nachdem er den englischen Pay-TV-Sender BSkyB umgekrempelt hat – auch das galt als praktisch unmöglich.

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