Landesbank Berlin
Johannes Evers: Der Privatkundenmann

Die Landesbank Berlin beendet die Suche nach einem neuen Vorstandschef - und verständigt sich auf einen internen Kandidaten. Johannes Evers soll die Nachfolge von Hans-Jörg Vetter antreten. Die Entscheidung kam überraschend.

FRANKFURT. Das Rätselraten um die Nachfolge von Hans-Jörg Vetter an der Spitze der Landesbank Berlin (LBB) hat ein Ende. Der Aufsichtsrat bestimmte jetzt mit Johannes Evers ein "Hausgewächs" für den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Die Entscheidung kam insofern überraschend, als bis zum vergangenen Freitag noch Michael Horn, derzeit stellvertretender Vorstandschef bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), als aussichtsreichster Kandidat gehandelt worden war.

LBB-Aufsichtsratschef Heinrich Haasis, in Personalunion Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), habe sich bis zuletzt für Horn eingesetzt, dieser habe aber Stuttgart nicht den Rücken zukehren wollen, hieß es im Umfeld der Bank. In der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag soll auch auf Betreiben der niedersächsischen Sparkassen der Vize-Chef der NordLB, Christoph Schulz, in die Diskussion eingeführt worden sein, was aber folgenlos blieb.

Die LBB ist die einzige Landesbank, die alleine den Sparkassen gehört. Für 5,3 Mrd. Euro erwarb die Sparkassen-Finanzgruppe im Sommer 2007 die Mehrheitsanteile vom Land Berlin. Unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise und zur Abwehr privater Kaufinteressenten wurde damals ein sportlicher Preis bezahlt. Flaggschiff der LBB ist die Berliner Sparkasse mit ihren zwei Millionen Kunden.

Die Bestellung von Evers gilt als Signal, dass das Retailgeschäft der Berliner in den kommenden Jahren im Fokus stehen soll. Der 47-Jährige verantwortete bisher schon das Privatkundengeschäft und leitete die Berliner Sparkasse. Besonders stark expandiert die LBB im Kreditkartengeschäft, wobei Evers erfolgreich das Co-Branding betreibt - etwa mit dem Automobilclub ADAC, Air Berlin und dem Online-Shop Amazon.

Der Vater einer Tochter wird als "effizienter Managertyp" und als "extrem teamfähig" beschrieben. Der bisherige Vorstandschef Vetter sei zwar nicht sein Mentor gewesen, habe ihn mit seiner Dynamik aber immer wieder anspornen können. Evers sei analytisch und mathematisch begabt, im Auftreten manchmal schon fast übertrieben höflich. "Das verstellt aber den Blick dafür, dass er extrem durchsetzungsfähig ist", meint ein Mitarbeiter.

Die LBB gehört zusammen mit der NordLB und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu den wenigen öffentlich-rechtlichen Zentralinstituten, die vergleichsweise glimpflich durch die Finanzkrise gekommen sind. Das Konzernergebnis vor Steuern betrug 2008 neun Mio. Euro (Vorjahr 306 Mio. Euro). Im ersten Quartal 2009 konnte die LBB das Vorsteuerergebnis auf 102 Mio. Euro sogar mehr als verdoppeln. Zu den vordringlichen Zielen dürfte die Wiederherstellung der Dividendenfähigkeit zählen, denn die Sparkassen wollen ihr Engagement bei der Übernahme in den kommenden Jahren ordentlich verzinst sehen. Ansonsten versteht Marathonläufer Evers die Sprache und die Denke der öffentlich-rechtlichen Manager recht gut, beispielsweise hat er über den Privatkundenausschuss des DSGV das Ohr am Markt.

In der politischen Diskussion um Konsolidierungen im Lager der sieben selbstständigen Landesbanken wird die LBB aller Voraussicht nach auch unter Evers eher außen vor bleiben. "Die Überschrift zur Personalie lautet Kontinuität", hieß es am Wochenende in der Sparkassenorganisation.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%