Landesbanken
HSH-Chef: Der umstrittene „Dr. No“

Dirk Jens Nonnenmacher ist noch nicht lange an der Spitze der HSH Nordbank, doch an seiner Person scheiden sich schon jetzt die Geister. An den analytischen Fähigkeiten des Mathematik-Professors zweifelt niemand. Kritiker aber weisen darauf hin, dass er vorher noch nie eine Bank geführt habe. Nun muss er sich mit handfesteren Vorwürfen auseinandersetzen.

BERLIN. Der Vorstand der angeschlagenen HSH Nordbank unter Dirk Jens Nonnenmacher kommt nicht zur Ruhe. Jetzt muss er sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, er habe im Herbst 2008 eine Kreditausfallversicherung in Höhe von 45 Mio. Dollar unnötigerweise an Goldman Sachs gezahlt, da bestehende Fristen für diesen Anspruch längst abgelaufen waren.

Diese Verständigung fand noch unter der Ägide des damaligen Vorstandschefs Hans Berger statt. Er wurde im November 2008 von Dirk Jens Nonnenmacher abgelöst, nachdem der Aufsichtsrat seinen Vorgänger zum Rücktritt drängte. Häppchenweise hatte Berger immer höhere Verluste einräumen müssen. Ende des Jahres 2008 lagen diese bei 2,8 Mrd. Euro. Nur durch eine Kapitalspritze der Mehrheitseigner in Höhe von drei Mrd. Euro und einer Bilanzgarantie über zehn Mrd. Euro konnte das Institut überleben.

Doch unter Nonnenmacher, intern nach der James-Bond-Figur Dr. No genannt, ist das Institut nicht in ruhiges Fahrwasser gekommen. Unter Investoren sorgte beispielsweise die Entscheidung der Bank für große Verwirrung, stille Einlagen und Genussrechtskapital doch nicht zu bedienen.

An den analytischen Fähigkeiten des Mathematik-Professors zweifelt niemand. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass der groß gewachsene Nonnenmacher, der sein Haar stets gegelt zurückgekämmt trägt, vorher noch nie eine Bank geführt habe. Jetzt sei er mit einer Herausforderung konfrontiert, an der auch erfahrene Manager scheitern können. Es geht um die Herkulesaufgabe, die Bilanzsumme auf rund 100 Mrd. Euro zu halbieren und eine schlagkräftige Kernbank zu formen.

Obwohl Nonnenmacher das Institut noch nicht lange führt, scheiden sich schon jetzt die Geister. "So einen ausgesprochenen Risikoexperten muss man erst einmal kriegen", lobt Schleswig-Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) den Professor. "Ein Vorstandsvorsitzender, der nicht einen Funken Respekt vor dem Steuerzahler hat und eine Millionen-Bleibeprämie verlangt, muss gehen", fordert dagegen der Landesvorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner. Schleswig-Holstein und Hamburg sind Mehrheitsgesellschafter der HSH Nordbank. Daher könnte Stegners Forderung durchaus Bedeutung gewinnen, wenn die SPD bei den Landtagswahlen am 27. September gut abschneidet.

Stegner bezog seine Kritik auf die Sonderzahlung für Nonnenmacher in Höhe von 2,9 Mio. Euro. Es handele sich um einen Feuerwehrjob mit extremer Belastung, so Nonnenmacher. Daher sei mit dem Aufsichtsrat eine "Restrukturierungsprämie" vereinbart worden. Künftig werde aber auch für ihn die Deckelung der Gehälter bei 500 000 Euro gelten.

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