Landesbanken
Jaschinski, der geschichtsträchtige Banker

Siegfried Jaschinski hat sicherlich noch keine große Geschichte geschrieben, aber kennt sich damit zumindest sehr gut aus. Er ist nämlich gelernter Historiker. Nun hat auch ihn ein trauriges Schicksal ereilt. Ein Porträt über den Noch-Chef der LBBW.

HB STUTTGART. „Alexander der Große“ - so waren zahlreiche Berichte über den ehrgeizigen Banker Siegfried Jaschinski überschrieben. Hintergrund: Der Historiker hat seine Doktorarbeit über die Zeit des legendären antiken Herrschers geschrieben. Bereits vor Monaten hatte das glänzende Image des mächtigsten deutschen Landesbankers Kratzer bekommen, hartnäckig hielten sich die Gerüchte über seine anstehende Ablösung.

Im November hatte er auf die Frage, ob an den Spekulationen etwas dran sei, lächelnd geantwortet: „Das ist die falsche Frage an den falschen Mann. Das müssen die Träger entscheiden.“ Dies haben sie jetzt getan: Der 54-Jährige muss den Chefsessel der größten deutschen Landesbank räumen.

Zu lachen hatte der Manager zuletzt wenig, er musste das Geldhaus durch stürmisches Gewässer steuern. Der selbstbewusste Banker hatte zunächst immer wieder erklärt, die LBBW sei von der Finanzkrise lange nicht so hart getroffen worden wie andere Geldhäuser. Dann musste er eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkünden und für 2008 ein dickes Minus von 2,1 Mrd. Euro vorlegen. Jaschinski selbst hatte in einem Interview Fehler eingeräumt: „Wenn man Verluste macht, dann kann man nicht sagen, keine Fehler gemacht zu haben.“

Als LBBW-Chef baute Jaschinski vor allem die internationalen Aktivitäten der Bank aus. Er trieb die Tätigkeit als Investment- und Außenhandelsbank von Mittelstand und Industrie mit weltweiten Niederlassungen voran. Der verheiratete Familienvater gilt als ausgewiesener Experte für den Wertpapierhandel und das internationale Bankgeschäft.

Der gebürtige Leverkusener schlug seine Banklaufbahn 1982 beim Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus und Burkhardt ein. Vier Jahre später ging er zur Deutschen Bank, von dort wechselte er 1999 als Vorstandsmitglied zur Südwest LB. Im Jahr 2004 wurde er zunächst stellvertretender Vorsitzender der LBBW, ehe er im darauffolgenden Jahr das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Hans Dietmar Sauer übernahm. Seit November 2007 ist der verheiratete Familienvater auch Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands.

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