Landgericht Berlin rügt unseriöses Geschäftsgebaren einer Bank
Aktienfonds eignen sich nicht für konservative Anleger

Wünscht ein Kunde eine konservative Geldanlage, darf ihm die Bank keinen Fonds anbieten, der sich zu 50 Prozent aus Aktienanteilen zusammensetzt. Das hat das Landgericht (LG) Berlin entschieden.

crz GARMISCH. Konservative Geldanlage bedeute, dass das eingesetzte Kapital erhalten bleibt. Das sei aber bei einer Anlage in einem Fonds, der in Aktien investiert, nicht der Fall, betonten die Berliner Richter.

Mit dieser Begründung sprach das Gericht einer Kundin 27 609 Euro Schadensersatz zu. Für diesen Betrag hatte sie Anfang 2000 Anteile an einem von ihrer Bank empfohlenen Fonds erworben, die im Frühjahr 2003 nur mehr etwa 20 000 Euro wert waren. Bereits im Herbst 1999 hatte die Kundin in einem persönlichem Beratungsbogen, der nur von dem Bankenberater unterschrieben worden war, unter anderem erklärt, dass sie ihr Vermögen in Rentenpapieren, in einem Grundwert- Fonds und einer Lebensversicherung angelegt habe. Als Anlageform wünschte die Klägerin ebenfalls Renten. Diesbezüglich verfügte sie über mehr als fünf Jahre Erfahrung.

Außerdem übergab ihr der Anlageberater der Bank eine Informationsbroschüre "Risiken minimieren". Auf einem Beratungsbogen kreuzte die Kundin als Anlagementalität "konservativ" an, was dort als strukturiertes, auf mehrere Werte diversifiziertes Depot mit Schwerpunkt in Rentenpapieren und begrenztem Aktienanteil umschrieben wurde. Als Anlagedauer gab die Kundin einen mittelfristigen Zeitrahmen von einem bis fünf Jahren vor. Die zuständigen Mitarbeiter der Bank rieten ihr daraufhin zum Kauf von Anteilen des "DIT-Altersvorsorgefonds 55". Dieser Fonds weist einen Rentenanteil von 35 Prozent, einen Immobilienanteil von 15 Prozent und einen Aktienanteil von 50 Prozent aus. Zudem hält der Fonds internationale Aktien auch aus dem asiatischen und amerikanischen Raum.

"Das ist ein unseriöses Geschäftsgebaren", monierten die Berliner Richter das Verhalten der Bankmitarbeiter. Denn nach dem Verkaufsprospekt war als Ziel des streitigen Fonds ein langfristiger Kapitalzuwachs angegeben. Schon von daher war die Kapitalanlage verfehlt, weil die Klägerin sich nur auf einen mittelfristigen Anlagezeitraum einlassen wollte.

Auch die Beratung hielt das Gericht für fehlerhaft, weil die Mitarbeiter der Bank gegen den erklärten Willen der Kundin eine risikoreiche Anlage empfohlen hatten und sie darüber im Unklaren ließen, dass der Fonds in Aktien investiert. Da die Klägerin weder Erfahrung in der Aktienanlage noch ausreichende Kenntnisse über Aktien an sich verfügte, sei die Aufklärung der Bank viel zu oberflächlich gewesen.

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