Langes Verfahren und nur bedingte Erfolgsaussichten
Aktionärsschützer sehen Telekom-Prozess skeptisch

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat sich skeptisch über die Erfolgsaussichten des am Montag in Frankfurt am Main beginnenden Telekom-Prozesses geäußert. Ihr Sprecher Lars Labryga sagte im ZDF-Morgenmagazin, das Verfahren der Aktienanleger gegen den Konzern werde "sehr lange dauern" und auch nur Teilfragen klären können.

ap BERLIN. "Die Erfolgsaussichten sind, auch gegeben durch die Besonderheiten des deutschen Prozessrechts, eher schlechter als zum Beispiel in den USA", fuhr Labryga fort. Das zeige auch die Einschätzung des Staatsanwaltes, dass die Immobilienbewertungen um eine Milliarde falsch gewesen seien. "Es ist die Frage, ob das für die Wesentlichkeit ausreicht", sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft. Bezeichnend nannte er, dass in den US-Verfahren mehr Unterlagen zur Verfügung gestanden hätten als im deutschen Prozess.

Das Verfahren sei "viel zu komplex", fügte Labryga hinzu. Außerdem liege die Beweislast beim Kläger. Aber es gebe insgesamt "viele Ansätze, vielleicht greift einer durch", hofft er. Die beiden Hauptklagepunkte seien die Angaben über das Vermögen und die Investitionsabsichten der Telekom gewesen. Nun sei der Gesetzgeber aufgefordert, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, solche Verfahren effektiver zu machen. Das wird vielleicht langfristig die schönste Lehre für den Aktienmarkt sein.

Bund Mitschuld gegeben

Eine Mitschuld an der Entwicklung gab Labryga auch dem Bund. So sei die Aufforderung der Telekom, in die fallenden Kurse hinein zu zeichnen, "um es freundlich zu sagen, schon überraschend gewesen". Der Sprecher der Schutzgemeinschaft sagte weiter: "Da hat der Bund ganz hohe Mitverantwortung, denn ihm ist ja dieses Geld damals zugeflossen". Die Anleger hätten darauf vertraut, dass hinter diesem Papier der Staat stehe. "Dieses Vertrauen ist sträflich enttäuscht worden", resümierte Labryga.

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