Langjährige Haftstrafe
Ex-Phoenix-Manager wegen Betrugs verurteilt

Im Prozess um Anlagebetrug beim Finanzdienstleister Phoenix Kapitaldienst hat das Landgericht Frankfurt am Main den früheren Firmenprokuristen wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu sieben Jahren und vier Monaten Jahren Haft verurteilt.

HB FRANKFURT. Die ehemalige Geschäftsführerin wurde wegen Untreue zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, wie das Gericht am Dienstag mitteilte. Allein von Juli 2004 bis Januar 2005 sollen knapp 7 000 Anleger um rund 123 Millionen Euro geprellt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 46-jährigen Ex-Prokuristen eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert . Die ebenfalls angeklagte, 63 Jahre alte frühere Chefsekretärin und Geschäftsführerin sollte für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Die beiden Angeklagten sitzen seit Juni 2005 in Untersuchungshaft.

Die Verteidiger plädierten auf Freispruch für die Angeklagte. Sie hatte im Prozess die Schuld auf ihren früheren Chef geschoben, den bei einem Flugzeugabsturz getöteten Firmengründer Dieter Breitkreuz. Der Betrugsskandal war im März 2005 aufgeflogen, als nach dem Flugzeugabsturz des Phoenix-Gründers Mitarbeiter der Geschäftsführung misstrauisch wurden und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einschalteten.

Der Prokurist hatte gestanden, die Anleger zusammen mit Breitkreuz mittels fiktiver Konten hinters Licht geführt zu haben. Den Phoenix-Kunden waren falsche Renditeversprechen gemacht worden. Statt in angeblich profitablen Termingeschäften mit Derivaten wie etwa Optionsscheinen verschwand der Großteil des eingezahlten Geldes nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dunklen Kanälen und als "Provisionszahlung" in den Taschen der beiden Angeklagten.

Im Verlauf des Prozesses hatte der frühere Prokurist Einblicke in die Geschäftspraxis der Firma gegeben. Demnach habe der damalige Firmenchef, der 2004 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, bereits 1993 die ersten Manipulationen an Abrechnungen von ihm verlangt, um Verluste zu verschleiern. Weitere Löcher seien immer wieder mit neuen Investorengeldern gestopft und mit falschen Buchungen vertuscht worden.

Geprellt wurden rund 30 000 bis 40 000 Anleger, darunter auch viele Kleinanleger. Sie sollen ab 2007 teilweise entschädigt werden. Der gesamte Schaden wird auf mehr als 800 Millionen Euro geschätzt - einer der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wird noch gegen weitere Personen ermittelt. Demnach wird es noch einige Zeit dauern, bis das ganze Ausmaß des Skandals offenbar wird.

Aus Sicht der auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Kanzleien Nieding + Barth und Tilp Rechtsanwälte sind die Urteilssprüche des Landgerichts Frankfurts im Phoenix-Prozess unbefriedigend ausgefallen. "Insbesondere die Verurteilung der Geschäftsführerin zu nur zwei Jahren und drei Monaten bedeutet bei guter Führung, dass sie bereits in Kürze wieder auf freiem Fuß ist. Für die mehr als dreißigtausend Phoenix-Geschädigten ist das ein Schlag ins Gesicht" erklärt Rechtsanwalt Klaus Nieding.

Rechtsanwalt Andreas Tilp äußerte sich ebenfalls enttäuscht: "Vor dem Frankfurter Landgericht wurde ohnehin nur ein Teil des gesamten Skandals verhandelt - für die geschädigten Anleger brachte dieser Prozess jedoch keine konkret verwertbaren Erkenntnisse im laufenden Insolvenzverfahren."

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