Lanxess-Chef Axel Heitmann
Ein Sanierer drückt aufs Tempo

Das Engagement von Axel Heitmann als Chef des Chemiekonzerns Lanxess gleicht einem Siegeszug: Heitmann machte aus dem verlustreichen Ableger der Bayer AG eine der größten Chemiefirmen Deutschlands. Als ehrgeiziges Ziel gibt er jetzt die Übernahme eines viel größeren Konkurrenten aus.

FRANKFURT. An Selbstvertrauen hat es Axel Heitmann vermutlich nie gefehlt. Aber in den letzten Wochen ist der Chef des Chemiekonzerns Lanxess noch ein wenig forscher unterwegs als sonst.

Dabei sind es nicht nur die guten Geschäftszahlen, die dem 47-jährigen Manager derzeit Auftrieb verleihen. Vor allem ist es wohl die Aussicht, den einst ungeliebten Bayer-Ableger schon bald in den zweitgrößten deutschen Chemiekonzern zu wandeln. Seit mehreren Monaten bereits signalisiert er mehr oder weniger offen Interesse, den deutlich größeren Konkurrenten Degussa zu übernehmen.

Dass der aktuelle Degussa-Eigner RAG solchen Ideen ein ums andere Mal eine Absage erteilt, schreckt den einstigen Bayer-Manager wenig. "Wir stehen bereit", bekräftigte er am Wochenende und präsentierte dabei gleich auch eine Preisspanne: Vier bis sechs Mrd. Euro sei man bereit und in der Lage zu zahlen.

Vor allem der heftige Streit zwischen RAG-Vorstand und dem Großaktionär RWE hat aus Sicht mancher Beobachter die Chancen erhöht, dass der einstige Ruhrkohlekonzern doch noch in Einzelteilen verkauft wird. Heitmann jedenfalls wittert seine Chance und ist sich nicht zu schade, politische Unterstützung für sein Vorhaben einzufordern. "Wir wünschen uns ein stärkeres Bekenntnis der Politik", fordert er auf der Handelsblatt-Chemie-Tagung. Schließlich sei die moderne Chemie in Deutschland zur Welt gekommen. Man dürfe ihre Neuordnung jetzt nicht amerikanischen Private-Equity-Investoren überlassen.

Während manche Chemiemanager seine Ambitionen mit Skepsis verfolgen, steht der gebürtige Hamburger bei Analysten hoch im Kurs. Das Tempo und die Zielstrebigkeit, mit denen er die verlustträchtigen Chemiesparten, die Bayer Ende 2004 in die Eigenständigkeit entließ, zurück in die Gewinnzone führte, haben einen starken Eindruck hinterlassen. Morgen wird er voraussichtlich abermals gute Quartalszahlen präsentieren.

Saniererqualitäten stellte Heitmann bereits in den 90er-Jahren bei der Bayer-Tochter Wolff Walsrode unter Beweis. Als Geschäftsführer von Bayer Material Science ging er später für zwei Jahre nach Schanghai und festigte dort seinen Ruf als eine Art Überflieger, der aufs Tempo drückt. "Wer schnell ist, ist auch gut", heißt einer seiner Grundsätze.

Den versucht Heitmann nun offenbar auch für sein nächstes großes Vorhaben zu beherzigen. Sollte es doch noch zu einem Verkauf der Degussa kommen, kann sich der Lanxess-Chef zumindest schon mal in der Pole-Position wähnen.

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