Lars Seier Christensen
Der Derivate-Radsport-Banker

Lars Seier Christensen ist Gründer und Co-Vorstandschef der Saxo Bank. Bisher ist sie nur in 14 Ländern vertreten - doch das soll sich nun ändern. Der Radsportfan will nun dem Institut trotz Kreditkrise nach Deutschland expandieren.

BARCELONA. Aufgepasst, sie kommen. Vier Stunden und 22 Minuten haben 180 Radrennfahrer auf Hightech-Rennmaschinen für die fast 182 km lange Strecke von Girona bis in Kataloniens pulsierende Metropole Barcelona gebraucht. Nervös hält Lars Seier Christensen Ausschau nach der Farbe gelb im Pulk der Fahrer. Dann reckt er die Faust in Luft: "Yes", ruft der Gründer und Co-Vorstandschef der Saxo Bank als er den "gelben Schweizer" entdeckt. Fabian Cancellara ist es auch auf der sechsten Etappe der Tour de France gelungen, das am ersten Tag eroberte gelbe Trikot des Spitzenreiters zu behalten.

Für die von ihm gegründete Bank - Sponsor eines neunköpfigen Radsport-Teams - ist das gelbe Trikot bares Geld wert. Wie viel? Er zögert. "Kluge Leute haben den Wert des rosa Triko beim Giro d'Italia für die Marke des Sponsors auf täglich eine Mill. Euro taxiert - die Tour de France hat eine größere Bedeutung", sagt er. Er will nicht sagen, wie viel Geld seine Bank in diesen Sport investiert. "Es ist ein ansehnlicher Betrag", weicht der 46jährige Däne aus, klatscht sich lieber mit dem dänischen "Radsport-Helden" Bjarne Riis ab. Doping ist für Christensen kein Thema. "Der Radsport steht an der Spitze beim Kampf gegen Doping und wir als Bank unterstützen diesen Kampf", sagt er engagiert.

Muss er auch, denn mithilfe des Sport-sponsorings will er die Marke Saxo Bank weltweit bekannt machen. "Mit dem Sponsoring eines Kopenhagener Fußballclubs geht das nicht", sagt der begeisterte Sport-, Derivate- und Internet-Fan.

Zwar ist die Saxo Bank - deren Wurzeln im Jahr 1992 liegen - nur in 14 Ländern vertreten. Aber dass soll sich ändern. "Aber niemand sollte überrascht sein, wenn wir im Jahr 2010 nach Deutschland kommen", sagt der Mann, dessen Bank auf Online-Investments spezialisiert ist und dabei eine eigene Handelsplattform entwickelt hat. Das System werde derzeit weltweit von 80 White-Label-Partnern genutzt. Anleger können direkt Aktien, Devisen, Bonds und viele Derivate-Formen handeln. Das Geschäft mit Derivaten hat es dem Kopenhagener angetan. Bereits 1987 zog es ihn nach London ins Geschäft mit diesen künstlichen Finanzprodukten, die für manchen heute "Nukleus der Krise" sind.

"Quatsch", sagt Seier Christensen und lobt die Vorzüge der Derivate. Er muss es wissen, schließlich hat er gemeinsam mit seinem Partner Kim Fournais im Jahr 1992 das Brokerhaus Midas gegründet und dieses 2001 als Saxo Bank etabliert. Das US-Fachmagazin "FX Week" hat den Partnern 2007 einen Preis als beste Online-Handelsbank verliehen "Die Fokussierung war Absicht. Heute sind wir froh, nicht die gesamte Palette des Bankings abzudecken", sagt er mit Blick auf die rund um ihn herum purzelnden Universalbanken. Der Gang an die Börse sei derzeit kein Thema. "Wir sind gut mit Kapital ausgestattet", lehnt er sich zurück.

Dann muss er fort, die Pflicht ruft - in diesem Fall das Radsport-Team. Dass sein Team jetzt nicht mehr in Gelb fährt, ändert nichts an seiner Freude am Sport. Sein deutscher Fahrer Jens Voigt ist jüngst beim Aufstieg zum Col du Tourmalet lange Zeit an der Spitze gefahren. Das hat seinem Unternehmen viele TV-Sendeminuten gebracht und das Saxo-Bank-Logo weltweit verbreitet.

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