Lebensmittel: Kamps trennt sich von Finanzchef

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Kamps trennt sich von Finanzchef

Europas größter Brot- und Backwarenkonzern, die Düsseldorfer Kamps AG, hat sich von seinem bisherigen Finanzvorstand Gerd Meyer getrennt. „Mit Wirkung vom 1. April wird Herr Meyer das Unternehmen verlassen“, teilte Kamps gestern kurz und bündig mit.

HB MAILAND/DÜSSELDORF. Eine Begründung für die Trennung lieferte das Unternehmen nicht. Meyer selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Den Posten des Finanzvorstandes wird übergangsweise Kamps-Vorstandschef Nicos Sophocleous übernehmen.

Die Personalie sorgte gestern in Branchenkreisen für große Überraschung, denn gerade Meyer hatte an den bisherigen Fortschritten bei der Sanierung der Kamps AG großen Anteil. So hatte der 55-Jährige beherzt die von Firmengründer Heiner Kamps hinterlassene, unübersichtliche Firmenstruktur mit harter Hand seit seinem Amtsantritt im Mai 2004 in Rekordzeit bereinigt.

Ein Grund für die plötzliche Trennung könnte in einem möglichen Streit mit Kamps-Eigner Barilla über die Verschuldung von Kamps liegen. Die Ratingagentur Fitch hatte kritisiert, dass noch keinerlei Pläne darüber vorlägen, wie die hochverzinsliche Unternehmensanleihe in Höhe von 325 Millionen Euro im Jahr 2009 getilgt werden soll, denn aus eigener Kraft könne Kamps das wohl kaum schaffen.

Der Teigwarenhersteller Barilla, der Kamps 2002 übernommen hatte, will nichts mehr zuschießen. Die Italiener können offenbar nicht mehr auf die Unterstützung ihres einstigen Bundesgenossen, der Banca Popolare Italiana, hoffen. „Wir werden das Geld wohl wieder auf dem Kapitalmarkt aufnehmen“, hatte Meyer erst vor wenigen Tagen dem Handelsblatt gesagt. Und er wusste, dass er dafür hohe Zinsen zahlen müsste.

Barilla selbst steht finanziell nicht besonders gut da. „Wir schätzen, dass 800 bis 900 Millionen Euro der Barilla-Schulden auf die Akquisitionen von Kamps und Harry’s zurückzuführen sind“, sagte Giulio Lombardi von der Ratingagentur Fitch. „Mit insgesamt 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro ist Barilla recht stark verschuldet, aber das Niveau ist noch haltbar“, urteilte Lombardi.

Das Problem besteht vielmehr in den Beziehungen zum Finanzpartner, der Banca Popolare Italiana, die sich an ausgegliederten Unternehmensteilen von Kamps beteiligt hat. Denn die Volksbank ist nicht wirklich begeistert über ihr Kamps-Engagement, ist aber noch durch einen Vertrag an das Investment gebunden. „Wenn Barilla die Beteiligung der Banca Popolare an Kamps übernehmen sollte, würde die Verschuldung gefährlich hoch werden. In dem Fall müssten sie Geschäftsbereiche abstoßen“, warnt Lombardi. Ein Barilla-Sprecher dementierte gestern Berichte über einen Verkauf der Süßwaren-Tochter Gran Milano.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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