Lebensmittelbranche
Nestlé-Chef Bulcke: Hüter der Tradition

Nestlé-Chef Paul Bulcke steht in der Defensive: Die Geschäfte des weltweit größten Lebensmittelkonzerns laufen seit einiger Zeit eher mäßig und der direkte Konkurrent Unilever sägt aggressiv am Thron des Schweizer Traditionsunternehmens. Doch großartig etwas ändern will Bulcke trotzdem nicht.
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DÜSSELDORF. Davor trutzt ein Mammutbaum, dahinter ein Mammutberg, dazwischen eine Eingangshalle aus Glas, Stahl und Beton so groß wie zwei Turnhallen. Wie bei der Uno sei das hier, sagen viele, die in der Nestlé-Zentrale im schweizerischen Vevey arbeiten. International, aber auch ein wenig bieder. Und bewahrend. Vielleicht hat die Umgebung Paul Bulcke, der eine Unerschütterlichkeit ausstrahlt wie die schneebedeckten Gipfel, die er von seinem Büro aus auf der anderen Seite des Genfer Sees sehen kann, in die Rolle des Traditionshüters gezwängt. Schließlich sind es 30 Jahre, die er beim weltgrößten Nahrungsmittelhersteller schon auf dem Buckel hat.

Am Donnerstag hat der Konzerveteran zum wiederholten Mal eher mäßige Quartalszahlen vorgelegt. Zwischen die Augenbrauen eine Falte und die Lippen zum Strich geklemmt. Um 2,2 Prozent, teilt er mit, sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr abgesackt. Aber großartig etwas ändern will Bulcke trotzdem nicht.

"Ich habe keinen Grund dazu", sagt der 55-jährige Flame schon vor zwei Jahren, als er den alpenidyllischen Chefposten antritt. Bulcke haben allerdings die wenigsten auf ihrer Liste, als es bei Nestlé um die Nachfolge von Peter Brabeck-Letmathe geht. An den Finanzmärkten tippt die Mehrheit auf Finanzvorstand Paul Polman. Der verspricht Dynamik, Zukunft, ein entrümpeltes Portfolio und Margen auf Höhe des Hauptkonkurrenten Danone. Anders als Bulcke, das Urgestein.

Doch wie so oft siegt die eigenwillige Firmenkultur von Nestlé - und Bulcke nach 18-monatigem Wettstreit und auf Wunsch des Verwaltungsrats über Polman. Dessen forsches Auftreten als Finanzchef mutet dem konservativen Hause am Genfer See dann doch etwas zu viel Offenheit zu. Bulcke gilt als "zuverlässiger Umsetzer". Als biederer, aber messerscharfer Analytiker mit dem "Blick eines Terriers" in entscheidenden Momenten, heißt es in Konzernkreisen.

Noch aber scheint dieser Augenblick nicht gekommen. Seit seinem Amtsantritt singt der Flame, der in sieben Sprachen parliert und ein Jahresgehalt von acht Mio. Franken bezieht, konzernintern das hohe Lied der Kontinuität. Nicht anders verhält er sich im Herbst 2000, als er Deutschland-Statthalter des Konzerns wird. "Erwarten Sie keine Revolution von mir", verkündet er da leitenden Mitarbeitern.

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