Lee Jae-yong
Samsung-Erbe zu fünf Jahren Haft verurteilt

Lee Jae-yong, Erbe des milliardenschweren Samsung-Imperiums, ist wegen Korruption zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist noch milde – doch es bleibt ein schwerer Imageschaden für den boomenden Konzern.
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SeoulDie Stimmung vor dem zentralen Bezirksgericht der südkoreanischen Hauptstadt Seoul war gereizt. Innen urteilten drei Richter, ob der Samsung-Thronerbe und faktischer Chef Lee Jae-yong in einem Korruptionsskandal um die geschasste und inhaftierte Ex-Präsidentin Park Geun-hye im Gefängnis bleiben muss. Draußen an der Zufahrt wehten koreanische Flaggen, einige hundert ältere Koreaner skandierten Parolen.

„Wir sind mit der Präsidentin Park“, stand auf Fahnen. „Befreit Lee Jae-yong sofort“, riefen die Demonstranten. „Es gibt keine Beweise, dass Präsidentin Park Geun-hye bestochen hat“, schimpfte Sung Eun-kyung, eine Organisatorin des Protests. Sie verlangt daher auch, dass die Ex-Präsidentin Park freigelassen und die Amtsenthebung aufgehoben wird, die das Parlament 2016 beschlossen hatte. Doch an diesem Freitag wurden ihre Hoffnungen bitter enttäuscht.

Das Gericht erklärte zwar, dass es sich dem 49-Jährigen nicht nachweisen lässt, dass er bei persönlichen Treffen mit der Präsidentin um Gefälligkeiten für Zahlungen an Parks enge Vertraute Choi Soon-sil gebeten hat. Doch in anderen Anklagepunkten der Bestechung, Veruntreuung, versteckter Geldtransfers in Ausland und Falschaussage wird er schuldig gesprochen. Das Urteil: fünf Jahre Haft. Lees Anwalt kündigte umgehend Berufung an.

Dabei kann sich Lee noch glücklich schätzen. Die verhängte Haftstrafe befindet sich am unteren Ende der Erwartungen. Sonderermittler hatten zwölf Jahre Haft gefordert, ein Zeichen für die hohe politische Brisanz des Falls. Denn schon die Forderung war außergewöhnlich in einem Land, in Haft- oder Bewährungsstrafen ein normales Berufsrisiko der Chefs von Südkoreas riesigen Familienkonglomeraten, den sogenannten Chaebol, sind.

„Das ist meines Wissen die höchste Forderung in der an Klagen reichen Geschichte“, sagte Jason Chung, Chef des Chaebol-Beobachters chaebul.com, vor dem Urteil. Und der Grund ist für ihn, dass Lee stellvertretend für den koreanischen Klüngel aus Konzernen und Politik im größten Skandal von Südkoreas Nachkriegsgeschichte angeklagt wurde, der im März in der Amtsenthebung der damaligen Präsidentin Park Geun-hye und später ihrer Verhaftung gipfelte.

Auslöser des Skandals waren 2016 Berichte, dass Park ihre enge Freundin Choi Song-sil nicht nur widerrechtlich als private Vertraute mit Staatsgeschäften betraut habe. Sie soll auch Druck auf die Konzerne des Landes ausgeübt haben, Chois Stiftungen und Organisationen zig Millionen Euro zu spenden.

Empörte Bürger forderten daraufhin im Herbst in Großdemonstrationen den Rücktritt der Präsidentin. Und als die sich weigerte, beschloss das Parlament im Dezember mit großer Mehrheit, die Präsidentin des Amtes zu entheben. Ein Gericht bestätigte die Amtsenthebung im März.

Die meisten Konzernchefs kamen damals rechtlich ungeschoren davon. Denn sie stellten sich als Opfer einer erpresserischen Präsidentin dar, deren Wunsch sie sich aus Angst vor Benachteiligungen nicht verwehren konnten.

Auch Lee beteuerte seine Unschuld. Er aber wurde angeklagt und im Februar sogar als erster Samsung-Chef verhaftet. Denn die vom Parlament eingesetzten Sonderermittler wollten ihm Bestechung nachweisen, um ihn damit unfreiwillig zum Kronzeugen einer Anklage gegen die frühere Präsidentin zu machen.

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  • In der Gangster-EU würde der nicht inhaftiert, eine Partei-Spende hätte die Sache schon im Vorfeld geklärt.

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