Lehman-Panne
Vergangenheit holt KfW-Chef Schröder ein

Nachdem die Überweisung an die Pleitebank Lehman für die KfW schon verdrängt schien, holt die Panne jetzt Chef Ulrich Schröder wieder ein: „Die Welt“ berichtet von Vorwürfen, Schröder habe dem Verwaltungsrat bei der Sitzung zur Entlassung zweier Vorstände Papiere vorenthalten, die ihn belastet hätten.
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FRANKFURT, BERLIN. Eigentlich hatte KfW-Chef Ulrich Schröder die unrühmliche jüngere Vergangenheit der Förderbank schon abgehakt. Die Verlustvorträge aus dem IKB-Desaster: getilgt durch einen Rekordgewinn. Die Pannen-Überweisung an die Pleitebank Lehman: Verantwortliche entlassen.

Ein Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken. Doch nun holt Schröder die Vergangenheit ein, genauer die Entlassung der KfW-Vorstände Peter Fleischer und Detlef Leinberger. Beide gelten als Verantwortliche für die Überweisung von 300 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman am Tag der Pleite. Der Verwaltungsrat hatte sie daraufhin gefeuert. Nun berichtete "Die Welt" über Vorwürfe, Schröder habe dem Verwaltungsrat bei der Sitzung zur Entlassung Papiere vorenthalten, die ihn belastet hätten.

"Die Behauptungen entbehren nach wie vor jeder Grundlage", schrieb Schröder gestern an die Verwaltungsräte. Das fragliche Gutachten, es stammt von der KfW-Innenrevision, habe zudem auch Clifford Chance vorgelegen. Insgesamt gibt es drei Gutachten zur Lehman-Panne: das der Innenrevision, ein Zweitgutachten von PwC und den Abschlussbericht von Clifford Chance. Die vom Verwaltungsrat beauftragten Clifford-Anwälte sahen Fleischer und Leinberger in der Verantwortung.

Die beiden klagten trotzdem und verhandeln mit der KfW über einen Vergleich. Mit Leinberger soll die KfW eine Einigung gefunden haben. "Da gibt es eine Grundlage für eine Beschlussfassung auf der Verwaltungsratssitzung am 8. Dezember", hieß es in Finanzkreisen. Bei Fleischer ist dagegen keine Einigung in Sicht, auch nicht nach dessen andeutungsreicher E-Mail. Auszüge daraus sind dem Handelsblatt bekannt. So fordert er die KfW auf, sich "tatsächlich" zu bewegen. Es sei ein Versuch wert, "Schaden von der KfW und von Personen abzuwenden". Fleischer und Leinberger waren nicht zu erreichen.

Die Koalition stärkte Schröder indes den Rücken. "Sämtliche Entscheidungen im Zusammenhang mit der Lehman-Überweisungen sind in enger Abstimmung mit dem Verwaltungsrat getroffen worden", sagte Unions-Fraktionsvize Michael Meister, der im Präsidialausschuss des KfW-Verwaltungsrats sitzt. "Wir sollten Herrn Schröder auf der Verwaltungsratssitzung am kommenden Mittwoch Gelegenheit geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern", sagte Verwaltungsratsmitglied Christine Scheel von den Grünen.

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