Lehner folgt auf Zumwinkel
Telekom-Aufsichtsratschef wird am Mittwoch bestellt

Henkel-Chef Ulrich Lehner wird am kommenden Mittwoch gerichtlich zum Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom bestellt. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Er soll den bisherigen Chefkontrolleur Klaus Zumwinkel ablösen. Lehner wird das Gremium erst ab Mitte April leiten, weil er vorher seinen Vertrag bei Henkel erfüllen will.

DÜSSELDORF/BERLIN. Auf dieses besondere Rendezvous muss Ulrich Lehner lange warten. Die Tür öffnet sich, er grüßt freundlich die Dame des Hauses, trinkt einen Kaffee. Dann darf „Ulli“ endlich seine Frage stellen: „Zeigen Sie mir doch mal, wie Sie so waschen.“ Die Dame ist etwas verdutzt, immerhin ist sie hier die Hausfrau und nicht dieser Mensch im dunkelblauen Anzug und mit kastanienbrauner Hornbrille, deren Gläser fast so groß wie Bierdeckel sind. Der wirkt doch eher, als ob er das Wort „Waschtrommel“ einem Orchester zuordnen würde.

Lehner lächelt. Dann wird er ihr erklären, dass ihr Urteil sehr wichtig ist und dass nicht nur seine Frau, sondern auch er selbst wäscht. Mit Persil, versteht sich. „Ah“, sagt die Hausfrau, und Lehner hat einen Fan mehr auf der Welt.

Seine Hausbesuche genießt der Henkel-Chef wie ein Rockstar das Bad in der Menge. „Ich komme viel zu selten dazu“, meint der 61-Jährige. Die Nähe zu den Käufern seiner Produkte ist, was ihn grundsätzlich auszeichnet: bodenständig, kontaktfreudig, integrativ. „Er geht auf die Leute zu. Er kann Menschen verbinden“, meint ein Analyst, der ihn schon lange kennt.

Genau diese Eigenschaft hat ihm geholfen, sein neues Amt zu ergattern – eines der aufregendsten der deutschen Wirtschaft: Am Mittwoch wird ihn der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom zu seinem Chef machen. Die Arbeitgeberseite, die letztlich den Chefkontrolleur wählt, hat sich nach Informationen des Handelsblatts auf Lehner geeinigt. Der bisherige Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel legt sein Amt als Folge seiner Verwicklungen in den Liechtensteiner Steuerskandal nieder. Deshalb wird Lehner gerichtlich bestellt. Das ist in dringenden Fällen wie diesem möglich. Normalerweise werden die Aufsichtsräte der Arbeitgeberseite von der Hauptversammlung gewählt. Bis zu Lehners Antritt Mitte April soll Zumwinkels Stellvertreter Lothar Schröder von der Gewerkschaft Verdi die Geschäfte führen.

Am 1. Mai geht Lehner eigentlich in Rente. An diesem Tag vollendet er sein 62. Lebensjahr, die traditionelle Altersgrenze für Henkel-Manager. Eigentlich hatte er für die Zeit seiner Pensionierung schon andere Pläne: Nepalwanderungen, „endlich richtig Chinesisch lernen“ und Klarinette spielen. Bei der Verabschiedung des Vorstandskollegen Jochen Krautter griff er zur Klarinette und gab vor 400 Gästen ein Ständchen.

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