Lehrreiche Niederlage
Jede Menge nationale Fallstricke

Niederlagen sind meist lehrreicher als Siege. Das musste auch der Energiekonzern Eon erkennen, als er die geplante Komplettübernahme des spanischen Versorgers Endesa abblies und sich mit Enel und Acciona auf eine Aufspaltung des Konzerns einigte. Welche strategischen Lehren können Eon und andere Unternehmen daraus ziehen?

DÜSSELDORF. Als nach mehr als 13 Monaten der Kampf um Endesa vorbei war, sinnierte Eon-Chef Wulf Bernotat: „Das war eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe.“

Was genau Bernotat aus dieser Zeit an Botschaften mitnimmt, sagt er zwar nicht. Doch eine Lehre dürfte mit Sicherheit dabei sein: das Chaos bei grenzüberschreitenden Übernahmen in der EU. Ein fairer Übernahmekampf auf Grundlage eines einheitlichen europäischen Rechts ist aus Sicht vieler Experten noch immer nicht möglich. „Der Fall Eon/Endesa zeigt deutlich, dass das Übernahmerecht in der EU ein Flickenteppich ist“, sagt Reinhard Meckl, M&A-Experte und Professor an der Universität Bayreuth.

Andere Experten drücken sich vorsichtiger aus: „Die EU hat zwar den Weg zu einem einheitlichen Übernahmerecht eingeschlagen“, sagt Marius Berenbrok, Partner der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. „Aber vorerst müssen Bieterunternehmen weiter damit rechnen, dass die Übernahme durch nationale Regelungen außerhalb des Übernahmerechts massiv behindert wird.“

Fakt ist: Zwar hat die EU längst eine einheitliche Übernahmerichtlinie verabschiedet. Doch die nationale Umsetzung stockt vielerorts. Andere Länder nutzen zudem die Wahlrechte und Schlupflöcher in der Richtlinie weitgehend aus.

Das Handelsblatt hat gemeinsam mit der renommierten Wirtschaftskanzlei Linklaters zusammengestellt, welche Fallstricke und „Giftpillen“ wichtige Länder im Übernahmerecht bereithalten. Das Ergebnis der Analyse zeigt: Deutschland zählt zu den wenigen EU-Ländern, die die Übernahmerichtlinie der Kommission umgesetzt haben. Auch drei Jahre nach deren Verabschiedung sind selbst Länder wie die Niederlande noch in der Umsetzung. Andere, etwa Italien, haben die Vorgaben aus Brüssel bislang ignoriert.

Bestes Beispiel für eine verworrene Rechtslage ist Spanien: Kein Land Europas hat so viele Regeln für ein Pflichtangebot. Eon-Chef Bernotat hat dies beim Kampf um die Übernahme von Endesa schmerzlich zu spüren bekommen. Zur Abwehr feindlicher Übernahmeversuche ist auf der iberischen Halbinsel praktisch alles erlaubt. Ein Trick liegt etwa darin, dass bei einer zweiten Abstimmungsrunde der Aktionäre nur noch sehr niedrige Zustimmungsquoten über Abwehrpläne erforderlich sind.

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