Leif Östling kämpft um Scania
Scania-Chef: Ein echter Trucker

Leif Östling kämpft für die Unabhängigkeit Scanias – mal wieder. Einmal hat er schon gewonnen, jetzt wird es schwieriger.

STOCKHOLM. Zurückhaltung ist ihm fremd. Ungestüm und burschikos kommt der Mann stets daher. Und auch jetzt bleibt Leif Östling, Chef des von MAN umworbenen schwedischen LKW-Herstellers Scania, seinem Ruf treu. „Momentan trau ich keiner Sau“, teilte er brüsk mit – auf die Frage, was er denn von den aktuellen Übernahmespekulationen halte.

Es ist längst kein Geheimnis, dass Östling den rentabelsten LKW-Hersteller der Welt allein weiterführen will. Schon gar nicht kann er sich eine Zukunft unter dem schwedischen MAN-Chef Håkan Samuelsson vorstellen. Denn Samuelsson arbeitete jahrelang bei Scania unter Östling, und das Verhältnis der beiden beschreiben Mitarbeiter bis heute mit „kühl und abgeklärt“.

Dass Östling für die Unabhängigkeit seiner Brummis kämpfen kann, hat er schon 1999 bewiesen. Der einheimische Konkurrent Volvo legte ein feindliches Übernahmeangebot vor, dem die Scania-Aktionäre auch zustimmten. Doch Östling, der in Nordschweden geboren wurde, wo man den Menschen Introvertiertheit und auch Sturheit nachsagt, gab nicht auf und verließ letztendlich als Sieger die Arena. Die EU-Kommission stoppte die geplante Fusion – aus Wettbewerbsgründen.

Fusionen in der Nutzfahrzeug-Branche würden nur Probleme schaffen, sagte Östling immer wieder. Stattdessen versuchte der ausgebildete Ingenieur mit neuen Konzepten, die Unabhängigkeit seines Konzerns zu erhalten: Er setzte mehr und mehr auf die äußerst rentable Modulbauweise. Unter seiner Führung wurde die Anzahl der für den Bau eines Lastwagen benötigten Komponenten drastisch reduziert. Scania verschaffte sich damit einen enormen Wettbewerbsvorsprung. Die Konkurrenz hat die „Kings of the Road“, wie Scania seine Laster nennt, bis heute nicht eingeholt.

Der Scania-Chef kooperierte auch einige Jahre mit MAN bei der Entwicklung von Komponenten. Diese Zusammenarbeit kündigte Östling allerdings im Frühjahr wieder auf. Er könne halt nicht mit Håkan Samuelsson, heißt es im Scania-Umfeld.

Östling gilt als ganz besonderer Schützling von Peter Wallenberg, dem Oberhaupt der gleichnamigen Dynastie. Nach Volkswagen sind die Wallenbergs zweitgrößter Aktionär bei Scania. Doch selbst sein enger Draht zum Machtzentrum der schwedischen Wirtschaft wird Östling vermutlich nicht viel nützen. Denn sein Förderer Peter Wallenberg hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, und auch die Wallenbergs wissen, dass Geschäfte wichtiger als nostalgische Gefühle sind. Durch die frühen Spekulationen über ein eventuell bevorstehendes Übernahmeangebot von MAN ist der Aktienkurs des Brummi-Bauers um fast 20 Prozent gestiegen.

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