Leitfaden für Führungskräfte Das kleine Mobbing-Einmaleins

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Ein typischer Mobbing-Verlauf lässt sich in vier Phasen darstellen. Nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ geht die Initiative in der Regel am Anfang von einem einzelnen Täter aus. Schnell gelingt es allerdings dieser einzelnen Person, andere für sich einzunehmen und gegen das von ihm ausgewählte Mobbing-Opfer aufzustacheln.

1. Phase - Schuldzuweisungen

Es gibt Probleme im Team oder in der Abteilung, ein ungelöster oder nicht bearbeiteter Konflikt. Daraus entwickeln sich zunächst Abneigungen, Schuldzuweisungen und vereinzelt persönliche Angriffe gegen Personen. Ein Sündenbock wird gesucht. Mobbing-Handlungen gegen die ausgesuchten Opfer sind zu diesem Zeitpunkt kaum erkennbar, Intrigen und Verleumdungen laufen verdeckt ab. Sticheleien finden sehr subtil und gezielt hinter dem Rücken der Opfer statt und zermürben diese.

Mit den auserkorenen Opfern wird nicht offen umgegangen, sie erhalten auf Fragen keine Antworten, sondern Beschwichtigungen. Betroffene meinen dann von sich, sie wären selbst zu dünnhäutig und mit ihnen stimme etwas nicht, wenn sie von den anderen geschnitten werden. Erste Verunsicherungen der Gemobbten treten auf.

2. Phase - Systematische Schikane

Psychoterror setzt ein. Die ausgesuchte Person wird immer häufiger Zielscheibe systematischer Schikane. Der ursprünglich ungelöste Konflikt ist nicht mehr relevant. Eine feindliche Atmosphäre gegen die Opfer wird offen aufgebaut. Konkret sieht das so aus, dass Betroffene alleine in der Kantine sitzen, niemand setzt sich dazu. Sie werden nicht zu Meetings eingeladen, man vergisst sie. Sie werden ständig unterbrochen, angebrüllt, angerempelt oder offen angegriffen.

Nachrichten werden nicht ausgerichtet. Sprechen die Betroffenen die mobbenden Personen an, erhalten sie zur Antwort, sie würden sich dies alles nur einbilden und sie sollten nicht alles persönlich nehmen. Außerdem würden sie sich nicht anpassen, hätten einen schwierigen Ton und schwierigen Umgang mit anderen. Das Problem wären sie, die Betroffenen. Die Betroffenen zweifeln an sich, fragen sich, ob sie an Verfolgungswahn leiden oder überreagieren. Sie ziehen sich extrem zurück, werden stark verunsichert. Erste gesundheitliche Störungen treten auf wie Schlaf- und Verdauungsstörungen oder Kopfschmerzen.

3. Phase - Schutzmaßnahmen unterbleiben

Ist erst der Ruf von Mobbing-Betroffenen ruiniert, ist es leicht, darauf aufzubauen. Wehren sich Betroffene in dieser Phase, steigern die mobbenden Personen ihre Aggression und laufen mit ihren Angriffen zur Höchstform auf. Die Situation eskaliert. Mobbing-Betroffene sind so stark verunsichert, dass die Arbeit erheblich darunter leidet. Sie gelten als so problematisch, dass ihnen arbeitsrechtliche Maßnahmen angedroht werden.

Vorgesetzte verkennen die Situation in dieser Phase oft und treffen Fehlentscheidungen zu Gunsten der mobbenden Personen und damit zu Lasten der Betroffenen. Nicht selten kommt es in dieser Phase zu ärztlichen Fehldiagnosen. Die Betroffenen sind permanent verunsichert und haben kein Selbstwertgefühl mehr. Sie sind zu diesem Zeitpunkt physisch und psychisch am Ende, sind oftmals körperlich und seelisch zusammengebrochen. Sie haben keine Kraft mehr sich zu wehren.

4. Phase – Ausschluss aus dem Arbeitsleben

Viele Mobbingfälle enden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes und oft sogar mit der Frühverrentung. Entweder kündigen die Betroffenen selbst, ihnen wird gekündigt oder sie willigen in einen Auflösungsvertrag ein. Psychosomatische Erkrankungen, langfristige Krankschreibungen, auch dauerhafte Arbeitsunfähigkeit sind die Folge. Betroffene leiden unter depressiven Verstimmungen oder Depressionen, haben schwere körperliche Schäden, kommunikative Störungen, kein Vertrauen mehr in Menschen. Schwere Angstzustände sind keine Seltenheit.

Die Arbeitswissenschaft spricht von Mobbing, wenn Angriffe am Arbeitsplatz auf eine Person systematisch und über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Ziel der Ausgrenzung der Person erfolgen - wenn also Schikanen, Intrigen und das Verbreiten von Unwahrheiten zur alltäglichen Routine gegen die gemobbte Person werden. Die Ursachen von Mobbing können arbeitsplatzbedingter Art sein, in ungelösten Konflikten liegen, aus mangelnder Führungskompetenz resultieren oder aus der Konfliktunfähigkeit der mobbenden Personen entstehen.

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