Lenker und Wächter in Personalunion
Mr. Kleinfeld steigt weiter auf

Viele deutsche Manager haben es im Ausland wahrlich nicht zu Ruhm und Ehre gebracht. Rühmlichste Ausnahme ist wohl derzeit Klaus Kleinfeld. Während in Deutschland noch immer seine Rolle bei der Aufklärung des Siemens-Schmiergeldskandals diskutiert wird, hat er es in den USA bis zum Vorstandschef des Aluminiumriesen Alcoa geschafft. Und die nächste Beförderung wartet schon.

MÜNCHEN. Als einen „wahrhaft globalen Leader“ pries ihn Vorgänger Alain Belda. 2010 nun soll Kleinfeld auch noch den Posten des Alcoa-Chairmans von Belda übernehmen, der sich nach 40 Jahren im Konzern in den Ruhestand zurückziehen will. Damit wird der 52-Jährige Bremer zugleich oberster Lenker und erster Aufseher bei dem Aluminiumkonzern

Zu den USA hatte Kleinfeld schon immer ein besonderes Verhältnis. In seiner Zeit als US-Chef von Siemens zog er in den Aufsichtsrat der Metropolitan Opera ein und lief den New-York-Marathon mit. Nach seiner Rückkehr nach München musste bei Besprechungen stets ausreichend Cola Light bereitstehen. Arbeitnehmer warfen ihm vor, auch ein amerikanisches Management-Verständnis adaptiert zu haben.

Eine gewisse Härte jedenfalls kann Kleinfeld bei seinem aktuellen Arbeitgeber gut gebrauchen. Die Branche ist naturgemäß besonders stark von der Konjunkturkrise betroffen. Kleinfeld machte früh, was man in so einer Situation tun muss: Er verordnete Alcoa ein massives Sparprogramm. Dieses sieht unter anderem den Abbau von zehntausenden Stellen und den Verkauf von Randsparten vor.

Bei Siemens denken sie heute mit gemischten Gefühlen an Kleinfeld zurück. Mit seiner Detailversessenheit sei er vielen auf die Nerven gegangen, sagt einer, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Andererseits krempelte Kleinfeld das Portfolio mit einigen Erfolgen um.

Beendet ist das Kapitel Siemens für Kleinfeld trotz seines Erfolgs in den USA noch längst nicht. Bei der Staatsanwaltschaft München läuft ein Bußgeldverfahren gegen ihn und die komplette alte Führung, der Konzern will Schadensersatz von den Ex-Managern. Kleinfeld, dem nie eine direkte Verwicklung nachgewiesen wurde, hatte stets betont, dass die Affäre größtenteils vor seiner Zeit spielte und er die Aufklärung vorangetrieben habe. Im Siemens-Aufsichtsrat sind allerdings auch heute noch einige überzeugt, dass auch Kleinfeld schon früher hätte auf eindeutige Korruptionshinweise reagieren müssen. In Kleinfelds Umfeld dagegen wird betont, dass die Amerikaner den Fall genau geprüft hätten. Seine bevorstehende Berufung zum Chairman sei nun ein weiterer Vertrauensbeweis.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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