Letzter Siemens verlässt Siemens-Aufsichtsrat
Der „Milchmann“ räumt den Posten

Ein beinahe normaler Vorgang: Peter von Siemens ist 70 und verlässt den Aufsichtsrat – und damit auch das letzte Mitglied des Kontrollgremiums mit dem Namen des Firmengründers.

MÜNCHEN. Peter von Siemens ist im August 70 Jahre alt geworden. Deshalb wird der Ururenkel des Konzerngründers Werner von Siemens im Januar den Aufsichtsrat verlassen – wer 70 wird, muss bei Siemens aus dem Kontrollgremium ausscheiden. Was für die einen ein symbolträchtiger Wechsel, ist für die andern, die Kundigeren, ein „absolut normaler Vorgang“. So jedenfalls sagt es Wilfried Feldenkirchen, Professor für Unternehmensgeschichte und Autor zahlreicher Bücher zur Siemens-Geschichte.

Tatsächlich hat es im Aufsichtsrat der Siemens AG eine Zeit ohne den Namen „von Siemens“ bereits gegeben. Während einer Übergangsphase vom Ende der 80er-Jahre bis 1993 vertrat ein entfernter Verwandter die Familie im Aufsichtsorgan. Für Peter von Siemens kommt nun dessen Vetter ersten Grades Gerd von Brandenstein. Mit ihm rückt ein erfahrener Siemensianer ins Aufsichtsgremium, er dient dem Konzern seit 35 Jahren, zuletzt als Chef des Verbindungsbüros in Berlin.

Wegen seines Alters gilt auch der 65-jährige Brandenstein als Übergangskandidat. In Kreisen des Unternehmens heißt es, eines der vier Kinder von Peter von Siemens könnte in spätestens fünf Jahren in den Aufsichtsrat kommen. Sowohl einer der drei Söhne als auch die Tochter kämen infrage. Wenig wahrscheinlich ist es, dass einer der Namensträger ins Spitzenmanagement aufrückt.

Theoretisch möglich wäre das, mit 6,7 Prozent der Stimmen sind die Familie und ihr zuzuordnende Stiftungen immer noch größter Einzelaktionär. Das bedeutet ein Vermögen von sechs Milliarden Euro. Der 1897 geschlossene „Familienbindungsvertrag“ garantiert, dass die gut 200 Mitglieder zählende Familie mit nur einer Stimme spricht. Jedes Jahr treffen sich die Siemens vor der Hauptversammlung, etwa alle drei Jahre kommt es am Stammsitz in Goslar zu einem Siemens-Treffen. Für die laufende Interessenvertretung sorgt ein Leitungsgremium, an dessen Spitze der „Chef der Familie“ steht.

Diesen Ehrenposten wird Peter von Siemens behalten. Als Unternehmer ist der Urenkel des Gründers nicht in Erscheinung getreten, öffentlich hielt er sich zurück. Mit einer Ausnahme, als er von Österreich aus ein legendäres Interview gab. „Für diese Rendite sperrt kein Milchmann seinen Laden auf“, bekrittelte er die Leistung des damaligen Chefs Heinrich von Pierer. Dessen Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Mit Pierers Zehn-Punkte-Programm begann 1998 der große Konzernumbau.

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