Leuchtenhersteller Zumtobel „Wir sind nicht die Gutmenschen“

Die aktuellen Zahlen belegen: Der Leuchtenhersteller Zumtobel ist zurück auf Erfolgskurs. Chef Andreas Ludwig will sich innovativ vom Wettbewerb absetzen.
Andreas Ludwig ist Chef der Zumtobel AG. Foto: PR

Andreas Ludwig ist Chef der Zumtobel AG. Foto: PR

BREGENZ. Alles ist schön: das Schiff, das unmerklich schaukelnd über den Bodensee schippert. Die Abendstimmung in Bregenz, zu der das Städtchen im Vorarlberg erstrahlt, als hätte es bereits seine Weihnachtsbeleuchtung angezündet. Die Zeremonie im Kunsthaus vorhin, bei der der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel hochdotierte Preise für Architektur, die der Umwelt nützt, an internationale Kandidaten vergeben hat.

Zumtobel-Chef Andreas Ludwig sitzt an Tisch 31 auf dem Oberdeck des Dampfers und kaut zufrieden an einem Langustenschwanz mit Knoblauchsauce. Er genießt sichtlich entspannt. Immerhin hat Europas größter Leuchtenproduzent, der sich vor allem an die Profis unter den Bauherren wendet, gerade seinen Umsatz um mehr als sechs Prozent auf 323 Mill. Euro erhöht. Die Ebit-Marge ist zum ersten Mal zweistellig gewachsen. Da darf es wohl schon mal ein Fest mit allem Drum und Dran sein.

Ludwig schaut hoch von seinem Teller, setzt die viereckige Brille auf. Freundlich sieht er aus und ein bisschen zünftig in seinem karierten Hemd mit Krawatte, auf der kleine Füchse gähnen. "Wir machen das hier nicht aus esoterischen Gründen", sagt er. "Wir sind nicht die Gutmenschen."

Dann erzählt er von seiner Branche, in der sich viele tummeln: Konkurrenten wie Philips, General Electric oder Osram, aber auch viele Anbieter aus dem Nahen und Fernen Osten. "Wir müssen uns", sagt Ludwig, "vom Wettbewerb unterscheiden. Wir wollen Intelligenz verkaufen."

Seine wohlgewählten Worte im besten Managerjargon illustriert er mit Geschichten. Als Zumtobel zum Beispiel den Auftrag erhielt, in einem Altersheim in Oberösterreich eine neue Beleuchtung zu installieren, lieferte das Unternehmen eine hauseigene Spezialität: eine Lichtanlage, die sich dem Tagesverlauf anpasst - morgens angeht, mittags viel Helligkeit verbreitet und abends mit gedämpftem Licht auf die Dunkelheit der Nacht vorbereitet.

Was dann passierte, begleitete Zumtobel in einer Studie: Die Bewohner des Hauses seien mit weniger Tabletten ausgekommen. Der natürliche Rhythmus, den das künstliche Licht so perfekt imitiert habe, soll ihnen geholfen haben, länger fit zu bleiben. "Damit wird für uns ein Geschäftsmodell daraus", sagt Ludwig.

Auch zwischen Umweltschutz und Geschäfte-Machen sieht Ludwig keinen Gegensatz. So zuckte er auch nicht zusammen, als einer der Preisträger, der US-Stararchitekt Thom Mayne, sich bedankte und beinahe entschuldigend erklärte, dass in seinen Gebäuden das Tageslicht so optimal genutzt werde, dass die Kosten für elektrisches Licht um ein Drittel gesenkt werden könnten. Natürlich, räumt Ludwig ein, hätte er mit einer reinen Energiespardiskussion ein Problem.

Aber wenn es Zumtobel als innovativem und umweltbewusstem Hersteller gelinge, statt in einem von Maynes Monumenten in zweien zum Zug zu kommen, "wird daraus wieder ein Geschäftsmodell".

Nicht immer ist es dem Manager in der Vergangenheit gelungen, seine Ideen so positiv zu verkaufen. Einige seiner 47 Jahre hat er wohl dafür gebraucht, um auf den richtigen Dreh zu kommen. So formulierte er erst vor zwei Jahren einen Satz, für den er sich anschließend sicherlich am liebsten auf die Zunge gebissen hätte. "Kekse oder Licht" - im Prinzip sei es ihm egal, was er verkaufe. Das kam bei den Mitarbeitern am Firmensitz in Dornbirn nicht gut an.

Damals, urteilen einige seiner Geschäftspartner, sei Ludwig wohl einer von diesen Investmentbankern gewesen, "die in ein Unternehmen hineinspringen und sich zurückziehen, sobald ihr Job erledigt ist. Egal, was dann passiert."

Seine Karriere hatte der promovierte Jurist zuvor beim Optikunternehmen und Kitschimperium Swarovski begonnen, wo er auf der Karriereleiter ganz nach oben geklettert war. Er sanierte Tochtergesellschaften in den USA und Tirol , brachte es schließlich bis an die Spitze des Unternehmens. Nach 15 Jahren in der Industrie zog es Ludwig dann zur Investmentbank UBS Warburg in London, wo er zusammen mit Fünfundzwanzigjährigen noch einmal die Schulbank drückte, um die Prüfung für die Börsenzulassung abzulegen.

Zu dieser Zeit drohten bei dem österreichischen Leuchtenhersteller Zumtobel in Dornbirn die Lichter auszugehen. Der Chef des Familienunternehmens Jürg Zumtobel hatte auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000 die um einiges größere britische Leuchtengruppe Thorn viel zu teuer eingekauft. Händeringend suchte er Geldgeber und war schließlich auf die US-Finanzinvestorengruppe Kohlberg Kravis Roberts gestoßen. Die übernahm knapp die Hälfte der Anteile des Leuchtenherstellers und besetzte einige Zimmer in der Führungsetage in Dornbirn. Die mehr als 8000 Mitarbeiter zogen die Köpfe ein und witterten Heuschrecken.

Doch die Geschichte hat ein Happy End: Die Finanzinvestoren holen Ludwig als Sanierer. Es ist kein gemütlicher Job zwischen den effizienzvernarrten Amerikanern dort und dem angeschlagenen Patron hier, dessen Wort bei den Mitarbeitern mehr gilt als das "des Keksverkäufers". Doch Ludwig gelingt der Spagat: Mit dem Börsengang im vergangenen Jahr schiebt er das Unternehmen zurück ins Rampenlicht.

Nach der Preisverleihung in Bregenz nähert sich an diesem Tag der Dampfer auf dem Bodensee bereits wieder dem Hafen. Ein Herr mit weißem Haar steht an der Reling, strahlt - es ist auch sein Abend. Lange hat der kunstsinnige Patron Jürg Zumtobel auf den Tag gewartet, an dem das Unternehmen, das seinen Namen trägt, zum ersten Mal einen eigenen Architektenpreis verleiht.

Neben Ludwig, der wie ein Boxer nach dem Sieg strahlt, der sich schon wieder für den nächsten Kampf rüstet, wirkt Zumtobel wie ein Florettfechter, der seine Verwundung auskuriert hat und weiß, dass er nun nicht mehr kämpfen muss. Das ungleiche Paar hat sich nicht gesucht, aber gefunden. "Es geht darum, bleibende Eindrücke zu hinterlassen", sagt Ludwig, und Zumtobel hört zu. "Die Sinngebung ist Teil des Unternehmens", sagt Zumtobel, und Ludwig nickt.

Vita von Andreas Ludwig

1960 wird Ludwig in Wien geboren und studiert nach seinem Abitur Jura. Er promoviert und erhält einen Professional Management Degree der Harvard Business School.

1985 steigt er bei dem österreichischen Schmuckglashersteller Swarovski ein, für den er als Finanzchef die amerikanische Zale Corp. und dann als CEO die Tiroler Tyrolit-Gruppe sanierte.

2000 wechselt Ludwig als Investmentbanker zu UBS Warburg nach London.

2003 gelangt er im September an die Spitze des Leuchtenherstellers Zumtobel. Im selben Jahr steigt Finanzinvestor KKR aus dem Unternehmen aus. Ludwig bringt das Unternehmen, das vor allem auf Wachstum durch innovative LED-Technik setzt, an die Börse.

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