Lewis Booth muss schnell für Profit sorgen
Ford-Europachef kommt aus Japan

Mazda entwickelt sich immer mehr zu einem Karrierebeschleuniger für Ford-Manager. Der heutige Chef der Luxussparte des US-Autokonzerns Premier Auto Group (PAG), Mark Fields, war Chef des japanischen Autoherstellers. Und nun wird sein Nachfolger in Japan, Lewis Booth, neuer Europachef von Ford.

HB FRANKFURT. Booth hatte erst im Sommer vergangenen Jahres Fields an der Spitze von Japans fünftgrößtem Autobauer abgelöst, an dem Ford zu mehr als einem Drittel beteiligt ist. Seither leitet der Mazda-Sanierer Fields die Geschicke von PAG mit den Marken Jaguar, Volvo, Land Rover und Aston Martin. Die Spekulationen, er werde zusätzlich zu seinem PAG-Job mit der Sanierung von Ford in Europa betraut, hat das Unternehmen mit der Berufung von Booth beendet.

Für diesen ist Europa kein unbekanntes Terrain. Der gebürtige Liverpooler, der als hart in der Sache, aber geradlinig und teamfähig gilt, bezeichnet seine Beförderung auf den Chefsessel in Köln sogar als „Heimkehr“, nachdem er seit 1992 für den zweitgrößten Autobauer der Welt rund um den Globus in den unterschiedlichsten Positionen tätig war.

Aber ein aufgeräumtes Zuhause findet Booth bei dieser Heimkehr nicht vor – trotz aller Beteuerungen der Ford-Spitze, sie sei in Europa auf dem richtigen Weg. Sein Vorgänger Martin Leach, der den Konzern zu Monatsbeginn auf eigenen Wunsch verlassen hat und als neuer Chef beim italienischen Konkurrenten Fiat im Gespräch ist, hinterließ für das erste Halbjahr einen Verlust von mehr als einer Dreiviertelmilliarde Dollar. Allein im zweiten Quartal betrug das Minus 525 Millionen Dollar. Er hatte die Nachfragesituation falsch eingeschätzt.

Diese bislang traurige Bilanz soll der 54-jährige Booth vergessen machen. Schon im vierten Quartal dieses Jahres will die US-Konzernzentrale in Dearborn schwarze Zahlen sehen. Um die schwierige Lage in Europa zu meistern, wird der Neue viel Geschick brauchen.

Immerhin bringt er wichtige Voraussetzungen für seinen Job mit: Vor 25 Jahren startete er bei Ford in Europa als Koordinator für Finanzanalysen im Dienste der Produktentwicklung, in den achtziger und neunziger Jahren arbeitete er in leitenden Funktionen in den Bereichen Finanzen, LKW, Produktentwicklung, Produktion und Verkauf, zuletzt in Afrika und Asien.

Vorschusslorbeeren erhielt er jetzt von David Thursfield, dem Ford-Verantwortlichen für das Geschäft außerhalb der USA: „Lewis hat das Zeug dazu, Ford in Europa zurück auf den Weg nachhaltiger Profitabilität zu führen.“ Schöner lässt sich massiver Druck kaum mit einem Lob verbinden. Doch bei allen Qualitäten von Booth braucht Ford vor allem eines: Der Konzern muss im zweiten Halbjahr auf dem europäischen Markt deutlich mehr Autos verkaufen.

Booth rechnet fest mit einer Nachfragebelebung. Deshalb setzt er trotz der prekären finanziellen Situation bei Ford auf Kontinuität: „Meine Aufgabe ist es, zu helfen, die bereits vorhandenen Pläne umzusetzen“, sagte er am Mittwoch mit Hinweis auf das laufende Restrukturierungsprogramm. „Wir machen die richtigen Dinge, wir sind auf dem richtigen Weg“, verkündete er selbstbewusst.

Dazu gehört es auch, Synergien innerhalb der Ford-Familie zu erhöhen. Künftig sollen die verschiedenen Ford-Marken noch mehr gleiche Teile in ihren Autos verwenden. Das setzt eine enge Kooperation auf höchster Ebene voraus. Booth will da seine guten Kenntnisse über Mazda und seinen Draht zu seinem Vorgänger in Japan, Fields, nutzen. „Das persönliche Vertrauen wird beiden Seiten helfen, uns in Zukunft noch stärker zu verlinken“, glaubt er.

Einer seiner Hauptansprechpartner in Japan wird John Parker sein, den Großaktionär Ford nun als Vizepräsidenten zu Mazda schickt. Den dortigen Chefposten wird mit Hisakazu Imaki nach längerer Zeit wieder ein Japaner übernehmen.

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