Licci in den Vorstand berufen
Star-Bankerin bringt HVB etwas Glamour

Ein Hauch von Glamour zieht mit der Star-Bankerin Christine Licci in die Chefetage der eher biederen Hypovereinsbank.

HB MÜNCHEN. Die künftige Chefin des Privatkundengeschäfts ist die erste Frau im Vorstand der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank und mit 40 Jahren jüngstes Mitglied der Führungsriege. In ihrer Zeit bei der Citibank hat sich Licci einen Ruf als Star-Bankerin erworben, das „Manager Magazin“ kürte sie vor einem Jahr zur „Managerin des Jahres“. Nach ihrem überraschenden Abgang bei der Citibank im Frühjahr, dessen Hintergründe nie komplett öffentlich wurden, soll sie nun frischen Wind in die Hypovereinsbank bringen und gemeinsam mit Johann Berger, der von der Hypo Real Estate kommt, das Deutschlandgeschäft auf Vordermann bringen.

Die Arbeitnehmer-Vertreter stehen der Berufung offen gegenüber: „Ich denke, dass die Frau Licci das stemmen kann“, sagt Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Allerdings werde die Managerin nicht alles auf den Kopf stellen können, die Hypovereinsbank sei trotz allen Modernisierungsbedarfs im Kern noch immer eine bodenständige, primär bayerische Bank. „Die Hypovereinsbank braucht beides, eine Laptop-Abteilung und eine Lederhosen-Abteilung.“

Ihre Karriere hatte Licci als Trainee bei der Mailänder Filiale der Dresdner Bank gestartet. 1992 kam sie für die Schweizer Großbank UBS nach Frankfurt, wo sie 1996 zur Citibank wechselte. Diese gehört zur Citigroup, größter und mächtigster Allfinanzkonzern der Welt. Licci rückte 1999 in den Vorstand der Citibank AG auf, zwei Jahre später bekam sie mit nur 37 Jahren die Leitung der Citibank Privatkunden AG Deutschland (Düsseldorf). Unter ihrer Führung konnte die Bank mit drei Mill. Kunden mitten in der Branchenkrise drei Mal hintereinander ein Rekordergebnis vorlegen. Erst im Jahr 2003, ihrem letzten, musste sie einen Gewinnrückgang verantworten. Licci betonte, sie habe die Citibank auf eigenen Wunsch verlassen.

Bewiesen, dass man mit dem Privatkundengeschäft als Bank in Deutschland Geld verdienen kann, hat Licci allemal. Dieses Kunststück soll sie nun bei der HVB wiederholen. Ob dies so einfach wird, ist in der Branche umstritten. „Das Franchise-System bei der Citibank ist mit der Hypovereinsbank nicht unbedingt zu vergleichen“, sagt ein HVB-Kenner. Die Citibank habe stark auf anonyme Abläufe und standardisierte Baukasten-Produkte gesetzt. Das sei bei der Hypovereinsbank nicht so einfach übertragbar. „Bei der HVB reicht die Palette der Kunden vom Immobilienkredit-Kunden über den Millionär bis zum Sozialhilfeempfänger“, sagt ein anderer Finanzexperte. Und auch Aufsichtsrat Grünewald betont: „Ein Kunde zum Beispiel in Weilheim legt schon Wert darauf, dass er seinen Berater kennt.“

Somit dürfte die Aufgabe nicht leicht sein für Licci, zumal Konzernchef Rampl bereits ein schmerzhaftes Sparprogramm für das kommende Jahr angekündigt hat, dem laut Branchenschätzungen noch einmal bis zu 3000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten. Handlungsbedarf sehen selbst die Arbeitnehmer. Es komme nun aber auf eine sozialverträgliche Umsetzung an, sagte Grünewald. Für die schwierigen Verhandlungen eilt Licci ein guter Ruf voraus. Sie gelte als „umgänglich, offen und unaffektiert“, berichtet die bankennahe „Börsen-Zeitung“. Für die Herkules-Aufgabe bei der Hypovereinsbank sind das schon einmal gute Voraussetzungen.

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