Liechtenstein
Adolf Real verlässt VP Bank

Adolf Real verlässt die VP Bank und räumt gleichzeitig den Posten als Präsident des Bankenverbands. Über den Grund kann nur spekuliert werden - doch wahrscheinlich ist es ein ganz banaler. Die Aktie der drittgrößten Bank Liechtenstein reagierte prompt auf die Entscheidung.

FRANKFURT. Wenn in der Wirtschaft des kleinen Landes Liechtenstein Köpfe rollen, dann gibt es dafür drei mögliche Gründe: Der wahrscheinlichste ist, dass es sich einer mit dem regierenden Fürstengeschlecht gründlich verdorben hat. Möglich ist auch, dass er sich in unglückliche Machenschaften verstrickt hat, über die im stets kritischen Ausland so viel berichtet wird. Schließlich kann es sein, - und das wäre dann genauso wie im Rest der Welt - dass er einfach in seinem Beruf nicht mehr das geleistet hat, was sich sein Arbeitgeber von ihm versprochen hat.

Bei Adolf Real sieht alles danach aus, dass es dieser Allerweltsgrund gewesen ist. Nach elf Jahren als Vorstand verlässt er die VP Bank, das drittgrößte Institut in Liechtenstein. In einem Atemzug mit dieser Personalie teilte die Bank gestern ihre Halbjahresergebnisse mit: Nach roten Zahlen im Jahr 2008 fand sie im ersten Halbjahr zwar wieder in die Gewinnzone zurück. Kunden zogen aber eine Milliarde Franken Vermögen mehr ab, als der verbindlich auftretende Real mit seinem ganzen Charme neu hereinholen konnte. Das tut weh.

An der Börse fiel die Aktie prompt um sieben Prozent. Die Gewinnqualität des ersten Halbjahres sei schlechter als gedacht, erklärte Andreas Venditti, Analyst bei der Züricher Kantonalbank. Die Erträge lägen unter und die Kosten über den Erwartungen, so das vernichtende Urteil, auf das die Bank Wegelin noch eins draufsetzte: Es sei "absolut unnötig, der Aktie wohlbehütetes Investmentgeld hinterher zu werfen". Das schmerzt.

Aber reicht es, den dienstältesten Bankchef von Liechtenstein und der Schweiz zu Fall zu bringen? Ihn, der bis gestern zudem auch Präsident des Bankenverbandes war und damit an einer heiklen Schaltstelle in dem wegen seiner Steuerpraxis gescholtenen Lande saß?

Einige hingeworfene Worte von Hans Brunhart geben Spielraum für Interpretationen. Brunhart hat, wie so viele Leute im Lande Liechtenstein in seinem Leben schon einige hohe Ämter bekleidet. Derzeit ist er gerade Präsident der VP Bank. Er war aber auch schon mal Regierungschef des Fürstentums und das gleich über vier Legislaturperioden hinweg. Im Wochenrhythmus hat er in dieser Zeit oben auf der Burg beim amtierenden Fürsten darüber berichten müssen, was unten im Ländle so passiert. An ihm führen im engen Vaduz seither nicht wirklich viele Wege vorbei. Dieser Brunhart also stellte gestern in einem der hinteren Sätze einer offiziellen Mitteilung zum Halbjahresergebnis der Bank fest: Die durch die Wirtschaftskrise begünstigte Forderung nach einer verstärkten Kooperation werde weiterhin dominieren. "Unter diesen Umständen ist Handeln und Verhandeln besser als Hoffen und Verdrängen." Hat Real seinem Namen also keine Ehre gemacht und die Realität mit der bloßen Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die Bank und das Land vertauscht? Im Bankenverband schütteln Befragte dazu den Kopf. Politisch habe Real den neuen Kurs, der auf eine engere internationale Zusammenarbeit in Steuerfragen setze, voll mitgetragen. Das Problem müsse in der Bank liegen. Im Verhältnis zu Brunhart womöglich, der eben immer noch ein bisschen mehr zu sagen hat als Adolf Real.

Das aber hat natürlich niemand offiziell gesagt. Die Sprachregelung lautet: Real und die Bank haben sich im gegenseitigen Einvernehmen wegen unterschiedlicher Auffassung über die Strategie getrennt. Finanzchef Fredy Vogt übernimmt bis auf weiters Reals Job und beim Bankenverband macht sein Stellvertreter Thomas Piske nun ganze Arbeit.

Kurzvita

1954 wird Adolf Real geboren. Er studiert Agrarwirtschaft in Zürich und beginnt danach ein Zweitstudium der Betriebswirtschaft in St. Gallen.

1983 steigt er in die Verwaltungs- und Privatbank in Liechtenstein ein, dem drittgrößten Geldinstitut des an Banken verhältnismäßig reichen Landes.

1998 übernimmt er den Vorsitz der Geschäftsführung des Instituts, dessen Präsident schon damals Hans Brunhart ist. Brunhart gilt als starker Mann der Bank.

2002 rückt Real auch an die Spitze des heimatlichen Bankenverbands, dem 15 Institute angehören. In dieser Position muss er die Banken zu mehr Kooperation mit dem Ausland in Steuerfragen bewegen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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