Liliane Bettencourt
Die französische Milliardärin und ihre Günstlinge

Nach außen pflegt der französische Kosmetikkonzern L’Oréal ein sauberes Image, hinter den Kulissen tobt ein schmutziger Familienstreit. Weil die 87-jährige Firmenerbin Liliane Bettencourt ihr ihr Geld großzügig an Vertraute verteilt, will ihre Tochter die alte Dame notfalls per Gericht entmündigen.
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PARIS. Der Streit im Kosmetikkonzern L’Oréal geht in eine neue Runde. Firmenerbin Liliane Bettencourt (87), mit einem geschätzten Vermögen von 8,9 Milliarden Euro die drittreichste Frau der Welt, soll freigiebig Geld austeilen. Sie soll nicht nur den Fotografen François-Marie Barnier reich beschenkt haben, sagte dieser laut Medienberichten. Auch Lindsay Owen-Jones, der britische Chairman von L’Oréal und 18 Jahre lang bis 2006 operativer L’Oréal-Chef, soll 100 Millionen Euro erhalten haben. Er wurde offenbar dafür belohnt, dass er L’Oréal zum Wachstum verholfen hat. Owen- Jones wollte das nicht kommentieren.

Die vielen großzügigen Zahlungen an Vertraute regen Françoise Bettencourt-Myers (55) auf, die einzige Tochter von Liliane Bettencourt. Erst vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass sie ihre Mutter als unzurechnungsfähig erklären lassen will. Sie hat vor Gericht ein Vormundschaftsverfahren eingeleitet und erklärt, diese sei offenbar nicht mehr in der Lage, ihr Vermögen zu verwalten. Die sonst eher zurückhaltende alte Dame hatte aber schon vor einiger Zeit im Interview verkündet, sie sei „eine freie Frau“.

Das Ganze ist mehr als ein reiner Familienzwist. Er betrifft L’Oréal direkt. Denn Liliane Bettencourt hält noch rund 30 Prozent der Aktien des Kosmetikriesen, auch wenn sie ihrer Tochter formal einen Teil überschrieben hat. Mutter und Tochter sitzen im Verwaltungsrat des Kosmetikkonzerns, den Eugène Schueller, Vater von Bettencourt, 1907 gründete.

Seit einem Jahr tobt nun die Schlammschlacht hinter den Kulissen von L’Oréal. Der 62-jährige Prominentenfotograf Barnier, der mit Bettencourt gut befreundet ist, aber auch den Modeschöpfer Yves Saint Laurent gut kannte, soll von ihr immer wieder Schecks, Gemälde und Lebensversicherungen erhalten haben – insgesamt für fast eine Milliarde Euro. Bettencourts Tochter verklagte den Günstling ihrer Mutter. Sie erklärte, Barnier habe die Schwäche ihrer Mutter ausgenutzt und übe weiter Druck auf diese aus.

Doch die Mutter weigerte sich, wie die Staatsanwaltschaft forderte, vor medizinischen Gutachtern aufzutreten. Die L’Oréal-Erbin legte nur ein Gutachten eines Psychiaters ihrer Wahl vor, das ihr eine perfekte Gesundheit bescheinigte. Danach tauchten in den Medien Gutachten auf, in denen von Gedächtnislücken der alten Dame die Rede war. Die Tochter beantragte die Vormundschaft.

Doch schon früher hatte Bettencourt Künstler und Wissenschaftler in Millionenhöhe gefördert. Im Fall Barnier gehe die Großzügigkeit aber zu weit, findet die Tochter. Liliane Bettencourts Anwalt Georges Kiejman vermutet dahinter die „Ungeduld“ der Tochter, die Macht bei L’Oréal zu übernehmen. Er drohte, die alte Dame könnte die Aktienüberschreibung rückgängig machen.

Das Gericht von Nanterre bei Paris soll in den nächsten Tagen entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Sollte Barnier schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 375 000 Euro.

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