Limited läuft deutscher GmbH den Rang ab
Englische Billig-GmbH boomt

Der Run auf die britische "Private Company Limited by Shares" - kurz "Limited" (Ltd.) - ist ungebrochen. Schätzungen zufolge sollen mittlerweile 3 000 monatliche GmbH-Gründungen hier zu Lande rund 1 000 Gründungen der in Mode gekommenen Ltd. gegenüberstehen.

GARMISCH. Dabei schwanken die Angaben zur Gesamtzahl der in Deutschland ansässigen englischen Firmengründungen zwischen 10 000 und 30 000. Das liegt daran, dass es derzeit für die Ltd. noch keine Pflicht zur Anmeldung zum deutschen Handelsregister gibt.

Grund für die Beliebtheit dieser Kapitalgesellschaftsform ist die Tatsache, dass die Gesellschafter quasi zum Nulltarif aus der persönlichen Haftung für ihr wirtschaftliches Handeln herauskommen. Denn die Gesellschafter einer Ltd. benötigen zur Gründung kein Stammkapital - bei der deutschen GmbH sind es dagegen 25 000 Euro. Und seitdem der Europäische Gerichtshof in drei Grundsatzentscheiden klar gemacht hat, dass Gesellschaften, die im europäischen Ausland gegründet worden sind, die Möglichkeit haben, das Gesellschaftsrecht des Gründungsstaates auch in einen anderen EU-Mitgliedsstaat mitzunehmen, ist unter den verschiedenen europäischen Gesellschaftsformen ein Wettbewerb entbrannt. Und da scheint die Ltd. die Nase vorn zu haben. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ist in einer Publikation unter dem Titel "Die Ltd. - Rechtsform der Zukunft" sogar der Frage nachgegangen, ob die Ltd. über kurz oder lang die deutsche GmbH ablöst.

"Das ist etwas, das der Markt regeln muss. Wir beobachten das gelassen", erklärt Hans Petermann, Leiter der Abteilung Recht und Steuern bei der IHK Frankfurt am Main, wo während der letzten anderthalb Jahre 460 bis 480 Ltd.-Firmen gegründet worden sind - Tendenz steigend.

Doch so eindeutig der Gründungskostenvergleich auf den ersten Blick zu Gunsten der englischen Ltd. auch ausfallen mag - die Gesellschaftsrechtsxperten warnen vor Folgekosten, welche die ursprüngliche Ersparnis bei der Einlage des Stammkapitals leicht wieder aufzehren.

Wer sich bei der Firmengründung in England zum Beispiel von Deutschland aus einer der zahlreichen Internetanbieter bedient, zahlt für deren Dienste Preise zwischen 180 und 700 Euro. Blitzgründungen innerhalb von 24 Stunden sind nur gegen einen Aufpreis zu haben. Neben dem Director, das englische Pendant zum deutschen Geschäftsführer, muss zusätzlich ein so genannter Secretary benannt werden, der unter anderem dafür Sorge trägt, dass die Formalia gegenüber dem englischen Registergericht während der Lebenszeit der Gesellschaft eingehalten werden. "Diese Person muss natürlich ebenso bezahlt werden wie externe Berater, die den deutschen Geschäftsmann in Fragen des englischen Rechts beraten", gibt Rechtsanwalt Christoph Poertzgen von Linklaters Oppenhoff & Rädler in Köln zu bedenken. Denn auch wenn die Ltd. ausschließlich in Deutschland tätig ist, gilt für sie das englische Recht.

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